Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 548 (sequence 551)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8356-3484505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
548 2. Council-Sitzung: Finanz-Bericht Juden in der ganzen Welt nicht bewahren, wenn nicht ein Ideal dazu kommt, das in wirklichem Zusammenhange mit den modernen Tendenzen der Welt den Juden eine gemeinsame Aufgabe gibt. Diese gemeinsame Aufgabe sehe ich in der Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina. Nur eines scheint mir nötig zu sein: Den Juden klarzumachen, daß es sich hier wirklich jetzt um einen letzten entscheidenden Kampf handelt, daß wir Palästina als Zitadelle für die Judenheit aller Länder aufrichten müssen. Wenn sich die Überzeugung durchsetzt, daß ohne Palästina der Zusammenhalt der Juden in der ganzen Welt gefährdet ist, daß aber mit und durch Palästina eine Stärkung aller erhaltenden Kräfte erfolgen kann, dann werden die Juden sicher die Mittel, die Energie und die Begeisterung für das aufbringen, was unsere entscheidende Chance bildet: Die Verdoppelung unserer Arbeit in Palästina während des nächsten Jahrzehnts (Lebhafter Beifall). REFERAT ÜBER UNSERE FINANZIELLEN PROBLEME. Dr. WERNER SENATOR (Mitglied der Exekutive — spricht deutsch): Als im Jahre 1929 die Erweiterte Jewish Agency gegründet wurde, dachten wir alle, daß wir an die Bewältigung neuer großer Aufgaben herantreten würden, die bisher von der Zionistischen Organisation allein finanziert worden waren. Verschiedene Pläne, darunter der einer großen Investment Company für den Aufbau Palästinas auf geschäftlicher Basis, schwebten uns vor, wir wollten das Budget um 50 Prozent erhöhen; im Bericht der Joint Survey Commission war ja ein Minimalbudget von einer Million Pfund in Aussicht genommen. Die Verpflichtungen betrugen damals etwa eine halbe Million Pfund. Wir gedachten diese zuerst abzudecken und gleichzeitig den Ausbau und die Konsolidierung der landwirtschaftlichen Siedlungen vorzunehmen. Im ersten Jahresbudget waren 200.000 Pfund eingesetzt, mit welchen die Konsolidierung ein erhebliches Stück vorwärts und in den meisten Fällen zum Abschluß hätte gebracht werden können. Die politischen Ereignisse und vor allem die Weltwirtschaftskrise der letzten zwei Jahre haben aber diesen ganzen Plan nicht zur Ausführung gelangen lassen. Einer der wesentlichsten Gründe für die Nichtausführung der großen Pläne liegt aber darin, daß es uns noch nicht gelungen ist, unsere Organisation so auszubauen, wie wir es 1929 dachten. Diese Frage bedarf wegen des Ineinandergreifens von organisatorischen und finanziellen Problemen der ganz besonderen Aufmerksamkeit dieser Tagung. Nur eine innerlich starke Organisation kann in der Lage sein, die nötigen Fonds zu beschaffen. Ebenso wie wir eine starke Jewish Agency brauchen, ist auch eine starke Zionistische Organisation notwendig, und nur wenn beide harmonisch miteinander arbeiten, werden die finanziellen Veraussetzungen für die Stärkung und Erweiterung unserer Arbeit geschaffen werden. Schon im September 1929 wurde es klar, daß das Züricher Budget in dieser Höhe nicht durchgeführt werden könne. Es setzte bekanntlich damals die große Sammlung für die Opfer der Unruhen ein. Sie hat .den riesigen Betrag von 600.000 Pfund ergeben, und man brauchte tatsächlich nur einen Teil dieser Summen, um die Schäden, die durch die unmittelbaren und mittelbaren Folgen der Unruhen entstanden waren, zu reparieren. Aber die Sammlungen des Keren Hajessod hatten durch die Hilfsaktion außerordentlich gelitten. Die Exekutive sah sich daher genötigt, das Budget von 750.000 Pfund herabzusetzen, und zwar in zwei Etap-