Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 547 (sequence 550)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Haifa 1× ep/1047930
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Ruppin 547 man zu den Landwirten auch die Handwerker, Händler, freien Berufe hinzuzählt, die sich zusammen mit einer großen landwirtschaftlichen Ansiedlung eine Existenz schaffen können. Für die nächsten Jahrzehnte kann von einem Bodenmangel in Palästina keine Rede sein. Wichtig ist aber, daß wir den Boden erwerben. Und er kann erworben werden, ohne daß es nötig ist, die auf ihrem Boden sitzenden arabischen Siedler vom Boden zu verdrängen. Es ist nur nötig, daß die Fellachen in den Stand gesetzt werden, ihren Boden in intensiver Form zu bearbeiten. Dann werden sie nicht nur von einer kleineren Fläche besser leben können als heute, sondern dann wird auch der Boden für die jüdische Siedlung frei sein. Ich möchte noch einmal Ihre Mithilfe und Ihre Mitarbeit dafür aufrufen, daß wir die nächsten zehn Jahre für die Palästinaarbeit ausnützen. Es ist meine feste Überzeugung, daß die nächsten zehn Jahre über unsere Bewegung entscheiden. Palästina hat unter der englischen Verwaltung einen Aufschwung genommen, wie wir uns ihn früher nicht vorstellen konnten. Die Eisenbahn nach Bagdad, die Bahnverbindungen mit Syrien, die Rohölleitung von Mosul nach Haifa stellen Palästina immer mehr in den Mittelpunkt internationaler Verkehrsbeziehungen. Das kann nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Landes bleiben. Palästina wird das Fenster Europas nach Asien werden. Es wird — dazu haben schon früher die deutschen Templer-Kolonien und die christlichen Missionen beigetragen — eines der ersten asiatischen Länder sein, in denen Europa seine Kultur und Technik entwickelt. Wir haben bisher einen Vorsprung, denn wir kommen mit technischer Erfahrung nach Palästina, die die Einwohner nicht besitzen, aber dieser Vorsprung wird mit der Zeit immer geringer. Die Mittel, die für dieses Werk nötig sind, sind nicht so gewaltig, daß wir sie als unaufbringbar bezeichnen müßten. Wir haben gelernt, billiger zu kolonisieren. Die Zahl der failures unter den Siedlern nimmt in dem Maße ab, in dem wir imstande sind, an die Siedler größere Ansprüche in Bezug auf ihre Vorbildung zu stellen. Ein gewisser Sektor der Arbeit kann heute bereits durch Kreditorganisationen statt durch nationale Fonds befriedigt werden. So stehen wir vor einer Aufgabe, deren Lösung mit unseren Kräften möglich ist. Sie hängt allerdings davon ab, daß das jüdische Volk in noch weiterem Maße als heute versteht, was Palästina für die Judenheit bedeutet. Ich habe die Entwicklung der Judenheit in den letzten Jahrzehnten mit Aufmerksamkeit verfolgt, und es war für mich, trotzdem ich diese Dinge voraussah, doch erstaunlich, in welchem Umfange in den letzten zwei Jahrzehnten die Entfremdung der Juden in den einzelnen Ländern einander gegenüber vorgeschritten ist, dadurch, daß sie sich immer mehr die Landessprache aneignen, ihre Kinder in die öffentlichen Schulen schicken und vor allem dadurch, daß die Wirtschaftsverhältnisse in den einzelnen Ländern verschieden sind. Diese Entfremdung zu verhindern und den Zusammenhalt der Juden in allen Ländern zu gewährleisten, ist nicht mehr mit den Methoden möglich, die bisher angewendet wurden. Ich habe die größte Achtung vor den Kräften, die im letzten Jahrhundert im Judentum zu seiner Erhaltung wach wurden. Das liberale Judentum hat durch seine Gemeindeorganisation und den Religionsunterricht viel getan, um das Gefühl für das Judentum nicht einschlafen zu lassen. Viel geschah auch von Seiten des orthodoxen Judentums und durch die nationalen Minderheitsbestrebungen in den verschiedenen Ländern. Aber all dies wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der 3 5*