Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 546

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 546 (sequence 549)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476288--8354-3484503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

546 2. Council-Sitzung: Referat über Palästina-Arbeit unsere Zahl mehr als verdoppelt, unseren Bodenbesitz verdreifacht; was in den vergangenen zehn Jahren möglich war, sollte auch unsere Parole für die nächsten zehn Jahre werden. Wir haben in den letzten zehn Jahren Erfahrungen auf wirtschaftlichem Gebiet gemacht, welche von ungeheurem Wert sind. Wir haben gelernt, die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern, wir haben fremde Märkte erobert, wir wissen viel mehr über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes, als es zu Beginn unserer Arbeit der Fall war. Wir sind in der glücklichen Lage, daß der Nationalfonds für mehrere tausende jüdische Landwirte Boden hat, und zwar Boden in der Orangenzone, der günstigsten und rentabelsten des Landes. Wir haben genug Leute, die bereit sind, sich in Palästina anzusiedeln. Es gibt sogar, wenn die Nachrichten richtig sind, tausende von Juden in Osteuropa, welche bereit sind, mit einem gewissen Betrag eigener Mittel nach Palästina zu gehen, und bei welchen deshalb die Ansiedlung für uns billiger ist als bei Unbemittelten. Palästina ist heute für die Ansiedlung auch von älteren Elementen reif geworden. Es war nicht reif dafür vor zehn Jahren, als die Sicherheit im Lande zu wünschen übrig ließ, als wir noch nicht wußten, welche Richtung unsere industrielle und landwirtschaftliche Arbeit zu nehmen habe. Heute können wir ohne zu große Furcht vor Verantwortung auch solchen Elementen zur Übersiedlung nach Palästina raten, denen wir vor zehn Jahren einen solchen Rat mit gutem Gewissen nicht hatten geben können. Wenn wir alles dies in Betracht ziehen, so glaube ich, daß Sie mit mir der Ansicht sein werden, daß wir alle Anstrengungen machen müssen, um die nächsten zehn Jahre den vergangenen zehn Jahren zumindest würdig anzureihen. Gelingt uns das, so können im Jahre 1940 statt 180.000 fast 400.000 Juden in Palästina sein. Das werden dann nicht 18 Prozent, sondern 27 Prozent der Bevölkerung sein. 27 Prozent einer wirtschaftlich gefestigten Bevölkerung sind mehr, als diese bloße Ziffer besagt, sind nach ihrem wirtschaftlichen und politischen Wert ein viel größerer Teil. Jetzt ist es Zeit, den Jischuw in den Sattel zu heben, d. h. seine Ausdehnung so weit zu bringen, daß er wirklich imstande ist, selbst zu reiten und die Ausgaben für Schul- und Sanitätswesen, für die er bisher auf die Hilfe des Auslandes angewiesen war, auf seine Schultern zu nehmen. Eine kleine Bevölkerung kann dies schwer tun. Es ist aber viel leichter, das von einem großen Jischuw zu verlangen. Gegen unsere Arbeit in Palästina sind im letzten Jahre schwere Vorwürfe von englischen Kommissionen erhoben worden, besonders von Sir John Hope Simpson. Es wurden Vorwürfe und auch Tatsachen gegen uns vorgebracht, von denen die wichtigste die war, daß Palästina nach seiner Ausdehnung und seinem kulturfähigen Boden überhaupt nicht imstande sei, eine große jüdische Einwanderung aufzunehmen. Ich will nur mit wenigen Worten darauf eingehen; genaue Angaben finden Sie in einer Broschüre, die Ihnen zur Verfügung steht. Dort ist gezeigt, daß der Bericht von Hope Simpson, der zu uns ungünstigen Ergebnissen kommt, auf unrichtigen Angaben beruht, und daß in Wirklichkeit Palästina, wenn sein Boden rationell bearbeitet wird, noch große Siedlungsmöglichkeiten darbietet. Es wurde von unseren Experten nachgewiesen, daß allein in der Küstenebene und im Jordantale (ohne das. übrige Palästina, das Bergland und Südland in Betracht zu ziehen), also allein in jenen Gebieten, die nur ein Drittel des kulturfähigen Bodens ausmachen, noch für 55.000 landwirtschaftliche Familien Platz ist. Das bedeutet eine Vermehrung um mindestens 150.000 Familien, wenn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.