Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 544 (sequence 547)
- Language
- German, English, Hebrew
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544 2. Council-Sitzung: Referat über Palästina-Arbeit kleinen Anfängen unserer Arbeit vor einem Vierteljahrhundert. Ich will aber gar nicht so weit zurückgehen, will auch nicht darauf hinweisen, wie winzig klein die Arbeit war, die wir in türkischer Zeit unter der Herrschaft von Abdul Hamid leisteten. Ich möchte vielmehr einen Vergleich ziehen zwischen dem, was die jüdische Position in Palästina heute darstellt, und dem, was sie vor zehn Jahren war, sagen wir im Jahre 1920, als dort nach dem Kriege die Zivil Verwaltung eingerichtet und Sir Herbert Samuel als High Commissioner eingesetzt wurde. Wir hatten am Ende des Krieges in Palästina 65.000 Juden, die noch nicht 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Es ist wahr, daß vor dem Kriege die Juden bereits 85.000 Seelen gezählt hatten, aber sie waren durch Krankheiten und Ausweisungen während des Krieges auf 60.000 oder 65.000 zurückgegangen. Die Volkszählung des Jahres 1922 ergab die Anwesenheit von 83.000 Juden, die 11 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Jetzt wird in Palästina eine neue Volkszählung stattfinden, und ich bin überzeugt, auf Grund der Schätzungen und Angaben, die uns bisher bereits vorliegen, daß sie eine Zahl von etwa 180.000 Juden zeigen wird, die etwa 18 bis 19 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen werden. Wir werden also in den neun Jahren von 1922 bis 1931 unsere Zahl in Palästina mehr als verdoppelt haben. Mehr als 100.000 Juden sind in dieser Zeit ins Land gekommen oder im Lande geboren worden. Im Jahre 1921 besaßen die Juden in Palästina 400.000 Dunam Boden, heute besitzen sie etwa das Dreifache dieser Fläche, davon sind fast 300.000 Dunam im Besitz des Nationalfonds. Die Zahl der in landwirtschaftlichen Siedlungen lebenden Juden betrug vor zehn Jahren etwa 15.000, heute das Dreifache. Die Orangenpflanzungen,/ die das Rückgrat der palästinensischen Landwirtschaft bilden, umfaßten vor zehn Jahren 30.000 Dunam, davon waren 10.000 in jüdischen Händen. Heute umfassen sie 120.000 Dunam, die Hälfte davon ist in jüdischem Besitz, der sich also im Laufe eines Jahrzehnts versechsfacht hat. Unsere Siedlungen mit gemischter Wirtschaft, die ihre Produkte durch eine zentrale Verkaufsgenossenschaft, die „Tenuwah", vertreiben, haben ihre Produktion und den Erlös aus dem Verkauf ihrer Produkte außerordentlich vermehrt. Vor zehn Jahren setzten alle unsere damaligen Wirtschaften — kaum ein halbes Dutzend — nur für ein paar tausend Pfund ihrer Produkte ab. Dagegen wurde im Jahre 1928 für 60.000, 1929 für 100.000, 1930 für 140.000 Pfund Produkte verkauft, und der Verkauf ist in ständigem Steigen begriffen und wird in diesem Jahre noch eine erheblich höhere Ziffer erreichen. Die Landwirtschaft hat nicht nur die bereits von früher her bestehenden Kulturen ausgebaut, sondern auch neue Kulturen eingeführt durch Anbau von Flachs, Grapefruit, durch Einführung neuer Obstarten, z. B. Pflaumen und Kirschen, die früher in Palästina fast unbekannt waren, und Kartoffeln, die früher aus Nordafrika importiert werden mußten. Das alles verspricht der Landwirtschaft einen weiteren Markt. Dazu kommt noch, daß die Industrie große Fortschritte gemacht ihat. Wir hatten nach dem Kriege ein paar tausend jüdische Handwerker und fast gar keine jüdischen Fabriken. Nach einem Zensus vom Jahre 1930 leben heute 33.000 Juden als Erwerbstätige und deren Angehörige von der Industrie. Diese Zahl wird in den letzten zwei Jahren wohl auf 40.000 gestiegen sein. Was das heutige Palästina von dem der Vorkriegszeit unterscheidet, ist der Umstand, daß ein immer wachsender Teil der Bevölkerung nicht mehr von der Chalukkah, von frommen