Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 546)
- Language
- German, English, Hebrew
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543 Zweite Councils-Sitzung* Mittwoch, 15. Juli 1931, vormittags. Beginn der Sitzung 11 Uhr 20 Min. Vorsitz: Dr. Cyrus Adler. REFERAT ÜBER DIE ARBEIT IN PALÄSTINA IN DEN JAHREN 1929 BIS 1931. Dr. ARTHUR RUPPIN (Mitgl. d. Exek. — spricht deutsch): Sie werden von mir nicht erwarten, daß ich Ihnen alle Einzelheiten der Palästinaarbeit in den letzten zwei Jahren vortrage. Es liegt Ihnen ein gedruckter Bericht vor, in dem alle Zweige unserer Arbeit geschildert sind. Ich will vielmehr hier vor Ihnen nur in großen Zügen ein Bild von dem entrollen, was in Palästina in den letzten Jahren vorgegangen ist und was nach meiner Ansicht in der nächsten Zukunft geschehen kann, um unser "Werk in Palästina fortzusetzen und auszubauen. Daß die letzten beiden Jahre für unsere Arbeit in Palästina außerordentlich schwer waren, ist bereits in der Rede unseres Präsidenten gestern abend angedeutet worden. Es waren schwere Jahre besonders deshalb, weil unmittelbar auf die Gründung der Jewish Agency Ereignisse folgten, die nicht vorauszusehen waren und die unsere Arbeit in Palästina nicht zu einem ruhigen Gange kommen ließen. Ich brauche nicht zu erinnern an die Augustunruhen, an den Tod von Louis Marshall, an die Naturereignisse, wie die Mäuseplage, die die Ernte unserer Siedlungen im Jahre 1930 fast ganz vernichtet hat, an die vielen Kommissionen politischer und wirtschaftlicher Art, die nach Palästina kamen und die in diesem kleinen Lande natürlich fortgesetzte Aufregung hervorriefen. Ich will mich auch nicht einlassen auf die Schilderung der finanziellen Schwierigkeiten, über die Herr Dr. Senator nach mir sprechen wird. Einige Monate nach der Gründung der Jewish Agency hat die Weltwirtschaftskrise mit ungeheurer Gewalt eingesetzt und unsere Einnahmen, besonders die Einnahmen unserer Fonds, soweit herabgedrückt, daß wir gezwungen waren, überall in unserer Arbeit Kürzungen vorzunehmen. Wir konnten im ersten Jahre kaum zwei Drittel, und im nächsten Jahre kaum die Hälfte derjenigen Gelder ausgeben, deren Verwendung wir zu Beginn der Jewish Agency in Aussicht genommen hatten. Aber ich will nicht die Rolle eines Jeremias übernehmen und ich möchte nicht mit allgemeinen Notrufen vor Ihnen stehen und Ihnen zeigen, was uns alles fehlt und wieviel Schlechtes uns betroffen hat. Trotz Blitz und Donner wächst doch auf dem Ackerfeld die Saat und verwurzelt sich. Der Mensch sieht es aber nicht so deutlich, wie er die äußeren Ereignisse sieht, die sich mit großer Wucht entladen. Ich habe den Vorzug, auf eine lange Tätigkeitsperiode in Palästina zurückzublicken, und es ist mir deshalb vielleicht leichter, unsere jetzigen Arbeiten nach ihrem wahren Werte einzuschätzen, weil ich sie immer vergleiche mit den