Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 541)
- Language
- German, English, Hebrew
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53« /. Council-Sitzung: Politischer Bericht REFERAT ÜBER DIE POLITISCHE ENTWICKLUNG IN DEN LETZTEN ZWEI JAHREN. Dr. SELIG BRODETSKY (Mitglied der Exekutive — spricht englisch): Meine Damen und Herren! Der XVII. Kongreß ist noch nicht geschlossen, aber doch weit genug vorgeschritten, um in der Geschichte der zionistischen Bewegung als das Ende einer großen Periode zionistischer Arbeit unter der Führung Dr. Weizmanns bezeichnet zu werden. Darum hatte ich, recht unvorbereitet und nur mit dem lebhaftesten Bedauern, die Aufgabe zu übernehmen, Ihnen ein kurzes Referat über die politischen Entwicklungen der Periode zu geben, welche seit der ersten Counciltagung der Agency verstrichen ist. Als einer, der den Vorzug hatte, drei Jahre lang in enger Verbindung und Freundschaft mit Dr. Weizmann zu arbeiten, hoffe ich, Herr Präsident, daß Sie mir gestatten werden, mein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und Liebe für ihn auszusprechen, um seiner Hingabe an die Sache des jüdischen Volkes und der Dienste willen, die er seinem Volke ein Menschenalter lang geleistet hat. Er hat sich von der Führung zurückgezogen, und ich möchte ihm, als bescheidener Kollege und noch bescheidenerer Schüler, folgen. Aber ich glaube sagen zu dürfen, daß die Dienste Chaim Weizmanns für die Sache des jüdischen Nationalheimes nicht zu Ende sind. Wir dürfen mit Zuversicht noch einen großen und glänzenden Beitrag für unsere Bewegung von Dr. Weizmann erwarten. Die beiden letzten Jahre waren charakterisiert durch eine Reihe schwerer Schläge für das jüdische Nationalheim und mittelbar für das jüdische Volk. Wir hatten einen physischen Angriff in der Form der Massakers vom August 1929; wir hatten einen ideellen Angriff auf unsere Arbeit in Palästina im Shaw-Bericht; wir hatten einen wirtschaftlichen Angriff auf unsere Palästinaarbeit in dem Bericht von Sir John Hope Simpson und schließlich den politischen Angriff auf das jüdische Nationalheim im Weißbuch vom Oktober 1930. Wir Juden haben uns seit Jahrtausenden an physische und ideelle Angriffe gewöhnt. Aber charakteristisch für die beiden letzten zwei Jahre war, daß bei jeder Wiederholung des Versuches, uns niederzuwerfen, das jüdische Volk in Palästina und das jüdische Volk außerhalb Palästinas immer fester und fester stand und seinen Willen, seine Entschlossenheit mit immer größerer Kraft kundgab; daß nach zwei Jahren solcher Angriffe und nach den übrigen Ereignissen, die zwischendurch kamen, wie der Einstellung der Arbeiter-Einwanderung im Mai 1930, dem Bericht der Ständigen Mandatskommission im August 1930 und den verschiedenen anderen Dingen, die wie Meilensteine in der Geschichte der letzten beiden Jahre stehen, daß das jüdische Volk — trotz allem was geschehen ist und trotz der Verwirrung, die der an Zionistenkongresse und ähnliche Tagungen nicht gewöhnte Beobachter in den letzten 14 Tagen festgestellt haben mag — die Probe, auf die es gestellt wurde, bestanden hat. Und wir sind heute wie bisher bereit, unsere Arbeit fortzusetzen, unsere Rechte zu wahren und die schließliche Verwirklichung unserer Bestrebungen zu sichern. Die Bewegung, die für den Aufbau des jüdischen Nationalheimes verantwortlich ist, ist ihrem Wesen nach eine demokratische Bewegung und beruht auf keinerlei Art von militärischem oder materiellem Zwang. Durch freiwillige Gaben der Juden, große und kleine, durch die Selbstaufopferung und Tatkraft von Jung und Alt, von Juden und Jüdinnen, die sich nach Palästina verpflanzen, um