Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 534 (sequence 537)
- Language
- German, English, Hebrew
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534 i. Council-Sitzung: Gedenkrede auf die Toten bildet. Dafür wirkte er nicht nur in London, sondern auch von der anderen Hemisphäre aus. Von Washington aus, wo er damals mit großen internationalen Fragen beschäftigt war, sandte er ein Telegramm nach London und bestand darauf, daß die Jewish Agency ins Leben gerufen werde. Deshalb glaube ich, daß wir diesen Namen immer mit Dank und Anerkennung nennen werden, den Namen eines Mannes, der der Geschichte angehört. Wir haben aber leider auch anderer Dahingegangenen zu gedenken, von denen die Jewish Agency soviel erwartet hat und die bei der Inauguration der Jewish Agency so bahnbrechend und einflußreich waren. Vor allem haben wir des ersten Vorsitzenden des Council der Jewish Agency, Louis Marshall, zu gedenken. Ich scheue mich, über Louis Marshall in Gegenwart unserer so hervorragenden amerikanischen Freunde, die ihn besser und näher gekannt haben, zu sprechen. Er war in seiner Art die Verkörperung des Besten und Edelsten im amerikanischen Judentum und im Judentum überhaupt. Dieser Mann mit dem goldenen Herzen in einer granitenen Hülle, dieser Mann von Eisen, der das Herz eines Kindes hatte, dieser edle Charakter, dieser klare Geist, dieser Born unerschöpflicher Energie, war in jeder Hinsicht bewundernswert. In der jüdischen öffentlichen Tätigkeit in Amerika stand er sein ganzes Leben lang an noch sichtbarerer Stelle als in seinem Beruf, in dem er doch einen so hervorragenden Rang einnahm. Wir hatten das Glück, ihn bei unserer ersten Versammlung in Zürich zu hören. Die mächtigste Stimme, die wie eine Messias-Posaune durch den großen Saal hallte, es war die Louis Marshalls. Wer hätte damals denken können, daß dieser Mann, der gerade damals eine neue Tätigkeit auf sich genommen hatte, die gesegnete Tätigkeit der Führung der Jewish Agency, daß dieser starke, lebensvolle Mann schon den Keim des Todes in sich trug? Als er hingerafft wurde, war das ganze jüdische Volk so erschüttert, als wenn uns ein junger, verheißungsvoller Führer entrissen worden wäre. An diesen Namen muß ich einen anderen anreihen, der unserem Herzen nicht minder nahe steht. Es ist Lord Melchett, der Mitvorsitzende des Council der Jewish Agency. Ich hatte das Glück, in Zürich zu seiner Seite zu sitzen, in jener heiligen Stimmung, da wir überzeugt waren, etwas Großes zu schaffen für Israel und für die Menschheit. Ich gedenke mit Trauer dieses Momentes. Sie wissen, was dieser Mann bedeutete im Leben der Welt, daß die Augen der ganzen Menschheit auf ihn gerichtet waren, auf diesen Fürsten der Industrie, diesen Philosophen der Ökonomie, der berufen war, neue Werte zu schaffen, und der angefangen hatte, neue Wege zu zeigen. Seine Zeit war den größten Problemen des wirtschaftlichen Lebens geweiht, aber er hatte auch Platz in seinem Herzen für Palästina, unser heiliges Land; sein ganzes Herz war diesem Ideal hingegeben. Er hat ein leuchtendes Beispiel gegeben, nicht etwa in der Weise eines Philanthropen, der Gaben spendet, sondern in der Weise eines Mannes, der tatkräftig, fleißig und bereitwillig mit uns schaffen wollte an dem Aufbau unseres Landes. Mit tiefer Rührung gedenke ich eines anderen großen jüdischen Amerikaners, jenes edlen Greisenpaares Nathan und Lina Straus. Dieser Mann, der Ehren- Vizepräsident der Jewish Agency war, hat gezeigt, wie viel Liebe es auf Erden gibt. Er speiste das ganze Land, das in seinen Küchen und Milchanstalten Nahrung fand, und sein Erscheinen in Palästina war wie das Erscheinen eines erlösenden Engels.