Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 533 (sequence 536)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 533 Warum soll es so schwer sein, daß dieser heiße Wunsch anerkannt wird? Warum sollte es so schwer sein, einem so mächtigen Reich wie dem britischen Reich zu sagen, oder einer so mächtigen Religion, wie dem Islam: „Viel habt ihr von uns empfangen, gebt uns zurück einen Teil dieses kleinen, schwierigen, aber schönen Landes, das wir ersehnen als die große Erbschaft unserer fernen Ahnen« die in einem geistigen Sinne ebenso gut auch eure Ahnen sind. Das ist es, was wir im Namen der Religion und im Namen der Gerechtigkeit fordern (Lebhafter Beifall). NAHUM SOKOLOW (Ehren-Vizepräsident der Jewish Agency, von lebhaftem Beifall begrüßt — spricht deutsch): Wir haben die heilige und traurige Pflicht, unserer Toten zu gedenken (Delegierte und Gäste erheben sich von den Sitzen). So jung auch die Jewish Agency ist — lang ist die Liste der Toten dieser beiden Jahre. Vor allem müssen wir jenes Verlustes gedenken, den nicht nur das jüdische Volk, sondern die ganze zivilisierte Menschheit betrauert, des Verlustes Lord Balfours. Lord Balfour war einer der größten Staatsmänner der Welt, einer der größten Denker, einer der würdigsten Vertreter seines Volkes, eine Verkörperung des britischen Genies. Er hat uns die Balfour-Deklaration gegeben, ohne die wir hier nicht versammelt wären. Lord Balfour war ein Freund, er war mehr als ein Freund der Juden. Wir haben nicht viele Freunde in der Welt, aber doch manche schätzenswerte und wir zollen ihnen Anerkennung. Lord Balfour war im höheren Sinne ein Freund der Juden, er war ein Freund des jüdischen Volkes — und im Zusammenhang mit dieser Freundschaft und als ein Resultat dieser Freundschaft glänzt vor uns die Balfour-Deklaration, die wir so oft zitieren, die die Grundlage ist für alles, was in Erez Israel bisher geschaffen wurde und noch geschaffen werden wird. Zu welchem Zweck hat Balfour die Deklaration erteilt? Von welchem Wunsch war er beseelt? Darauf hat er selbst in seiner Einleitung zu meiner „Geschichte des Zionismus" geantwortet. Man lese seine Antwort, dann wird man sich einen richtigen Begriff von dem Balfourschen Zionismus machen können. Diese Antwort kann nicht oft genug zitiert werden. Sie zeugt von einem hohen Adel der Gesinnung. Die Frage der Juden in Palästina könnte ganz einfach genau so gelöst werden, wie sie überall gelöst wurde. Diese Losung heißt Gleichberechtigung. Sie ist in jedem Lande durchgeführt worden, und wenn es vor dem Kriege noch Länder gab, wo diese Lösung nicht durchgeführt war, so ist diese Methode nach dem Kriege in allen Ländern eingeführt worden, die in der Einflußsphäre des Völkerbundes liegen. Es ist kein Grund vorhanden, daß dieselbe Methode nicht auch in Palästina hätte zur Anwendung kommen sollen. Aber man muß den Juden den historischen Platz geben, den für sie die Geschichte vor Jahrtausenden gewählt hat, damit sie dort ein vollständiges, freies, unabhängiges, geistiges, eigenartiges Leben nach ihrer Art führen. Hier muß ich auch erwähnen, daß Balfour eigentlich der Vater der Jewish Agency war. Nach der Übernahme des Mandates wurde die Frage der Jewish Agency von der britischen Regierung mehrfach diskutiert. Die Jewish Agency ist nicht das Produkt eines vorübergehenden Einfalles oder einer momentanen Eingebung, sondern reiflicher Überlegung. Balfour ist, obwohl er damals nicht mehr im Ministerium war, für die Durchführung und Aktivierung des § 4 des Mandates eingetreten, der die legale Grundlage für die Jewish Agency