Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 474)
- Language
- German, English, Hebrew
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M otzkin 47i den anderen Gruppen des Zionismus wegen innerer Mißstimmung nicht arbeiten zu können glaubt. Wohl bin ich dafür, daß alle Zionisten sich über die uns bewegenden Fragen ihre Anschauungen ernstlich zurechtlegen und, wenn sie bestimmte Auffassungen hegen, ihnen auch deutlichen und, wenn nötig, scharfen Ausdruck verleihen sollen. Aber gegenseitiger Haß — darunter leide ich schwer und ich glaube, wir alle leiden darunter. Wir müssen trachten, einander zu verstehen, die Seele und die Entwicklung der differenten Teile zu begreifen. Wir müssen nun einmal mit der Tatsache rechnen, daß es verschiedene Zionisten gibt; solche mit einer sozialistischen Richtung, die ich wohl zu würdigen weiß, andere mit religiösen Bestrebungen, die wir achten müssen, dann den großen Teil der Zionistischen Organisation, der in der ständigen Betonung des Endzieles eine Hauptaufgabe erblickt, und ringsherum die große Schar zionistischer Vertreter, welche zwecks Erlangung des Nationalheimes in der Organisation und in der Bewegung das stärkste Streben erblickt. Nun gehöre ich zu denen, welche in allen diesen Gruppen Elemente finden, die für unser Ideal Großes leisten und unsere Bewegung weiterbringen und unsere Aufgabe zu fördern vermögen. Da ist es eben ein großes Problem, wie man die divergierenden Faktoren für den Zionismus ausnützt, um aus der Lösung dieses Problems den größtmöglichen Nutzen zu erlangen. Eine der bedeutsamsten Missionen jeder Leitung besteht darin, in Ausdauer, Toleranz und Geduld alle Personen in den großen Kreis unserer Arbeiten einzufügen. Ich habe es dem kommenden Präsidium des Aktionskomitees zur Aufgabe gestellt, dabei, soweit es dazu berechtigt ist, mitzuhelfen. In der schweren Zeit des vorigen Winters, nach dem Erscheinen des Weißbuches, welches die ganze jüdische Welt in die größte Beunruhigung versetzt hat, hatte ich im Auftrage des Aktionskomitees notgedrungen Gelegenheit, mit der bisherigen Exekutive bei der Zusammenstellung unserer Forderungen anläßlich der politischen Unterhandlungen zusammenzuarbeiten, und die Herren, mit denen ich Monate hindurch in permanenten Beratungen und Ausarbeitungen von Denkschriften und Forderungen zusammengearbeitet habe, werden nicht leugnen, daß ich dabei eine ziemlich hartnäckige Kämpfernatur war und nicht einen Augenblick ruhte, um die von mir vertretenen Anschauungen, um derentwillen das Aktionskomitee mich in die politische Kommission entsandt hatte, zur Geltung zu bringen. Tag für Tag gab es heiße Diskussionen und schwere Beratungen, aber ein Moment muß von mir hervorgehoben werden: daß diese Meinungsverschiedenheiten, obwohl sie weit auseinandergingen, niemals auf persönlichen, sondern nur auf grundsätzlichen Momenten aufgebaut waren, und daß diese harte Zusammenarbeit, bei der oft um jedes Wort lange und heftig gekämpft wurde, uns menschlich und gesinnungsgenössisch nähergebracht hat. Dieses Einandernäherkommen, glaube ich, ist eine der größten und diffizilsten Aufgaben im zionistischen Leben der nächsten Zeit. Wir alle, ob wir eine Vertretung in der Exekutive haben oder nicht, müssen wenigstens eine Zeit lang eine Ruhe- und Friedenspause haben. Unser Zionismus, der ohnehin mit schweren Hindernissen zu kämpfen hat, kann diese Probe nicht aushalten, daß wir einander zerzausen, daß wir unsere besten Kräfte vernichten, daß wir gegenseitig unsere Talente als unbedeutend, als nutzlos hinstellen. Welcher Schmerz, daß wir, anstatt alle unsere fähigen Persönlichkeiten — und deren gibt es eine Fülle im jüdischen Leben — gebührend anzuerkennen und wie es in allen anderen Organisationen und Parteien der Fall ist, hervorzuheben und zur Mitarbeit heranzuziehen, daß wir einander zerfleischen und damit bös-