Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 449)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8254-3484403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
446 Kongreß-Sitzung: Beriebt der Politischen Kommission Die großzügige Interpretation Lord Balfours in Bezug auf das Mandat und die Rechte des jüdischen Volkes einerseits und die einengende Interpretation seitens der lokalen Verwaltung in Palästina, die schon im Jahre 1921 eingesetzt hat, sind zu bekannt, als daß ich darauf näher zurückkommen müßte. Die britische Palästinaverwaltung stand vor einem für sie ganz neuen Problem und mißverstand beinahe völlig sowohl den Typus des jüdischen Siedlers und seine Psychologie als auch die hohe Aufgabe, welche die zivilisierte Welt der Mandatarmacht in Bezug auf die Schaffung des Nationalheims für das jüdische Volk aufgetragen hatte. Sie verstand auch nicht die Ungeduld eines der Leiden schon müden Volkes, eines verfolgten, aber seiner geschichtlichen Größe bewußten Volkes. Dieses Mißverstehen von Seiten der Palästinaverwaltung und das von frevelhaften Händen gewisser Führer unserer Nachbarn geschürte Mißtrauen rief die uns unberechtigterweise gemachten Schwierigkeiten hervor, die sich im August 1929 zu blutigen Überfällen fanatisierter Banden auf wehrlose Juden des alteingesessenen Jischuw steigerten. Diese verbrecherischen Attacken wurde vom Jischuw abgewehrt. Betont muß werden, daß die schwankende Politik der lokalen englischen Verwaltung in Jerusalem und der englischen Zentralregierung Elemente ermutigte, die vorziehen, daß das Land weiterhin ohne Kapital verdorrt, als daß sich das Gold der Juden in das Gold von Orangengärten und die Energie der Juden in die Energie elektrischer Hochspannungen verwandelt, und die nicht zulassen wollen, daß dieses kleine Land als erstes im Orient zu einem Musterlande werde, sowohl in der Landwirtschaft und Industrie, als auch auf dem Gebiet sozialer Gerechtigkeit und auch zu einem Muster friedlichen Zusammenlebens zweier Völker, wo es keine Herrscher und keine Beherrschten gibt. Boden und freie Immigration sind die zwei materiellen Voraussetzungen unseres Werkes. Wir brauchen aber auch eine Atmosphäre politischen Wohlwollens und Ruhe, damit unser Werk gedeihe. In den letzten zwei Jahren wurden jedoch von gewissen Stellen des englischen Verwaltungs- und Regierungsapparates Versuche gemacht, die dazu angetan waren, das grandiose Werk, welches den Schöpfern der Balfour-Deklaration in England und im Völkerbund vorgeschwebt hatte, zu verkrüppeln. Dem Palästinamandat mit seinem Ziele der Schaffung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina liegt der grandiose Gedanke einer Art moralischer Reparationen dem Judenvolke gegenüber zugrunde, wie Lord Balfour und unlängst Lord Cecil sich ausdrückten, einer Wiedergutmachung des ungeheuren Unrechtes, welches durch Jahrhunderte von der Umwelt an unserem Volke begangen wurde. Die Verwaltungsakte und Regierungserklärungen der letzten zwei Jahre, sowohl in Jerusalem wie im Londoner Colonial Office, waren jedoch dazu angetan, ein paar Dutzend jüdischer Dörfer gnädig zu tolerieren und durch das immer engere Gitter von restriktiven Immigrations-Gesetzen jährlich ein paar tausend Juden sich mühsam hindurchzwängen zu lassen. Dies ist nicht unser Ideal, für welches das Judentum seit zweitausend Jahren die furchtbarsten Leiden ertrug. Dies ist aber auch nicht der Weg, um — nach den Worten des Mandates — die Schaffung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk zu sichern. Es ist daher begreiflich, daß schon der nur durch Überschreitung ihrer Kompetenzen zustande gekommene Bericht der Shaw-Kommission, der — wir erinnern daran mit Nachdruck — gerade von einem Mitglied