Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 448)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünstein, Motzkin, Ringel 445 BERICHT DER POLITISCHEN KOMMISSION. VORSITZENDER DER POLITISCHEN KOMMISSION Dr. MICHAEL RINGEL (Allg.y Ostgaüzien — spricht deutsch): Ich habe die Ehre, Ihnen den Bericht über die Beratungen und Beschlüsse der Politischen Kommission vorzulegen. Die Politische Kommission war sich ihrer großen Verantwortung bei der Behandlung der politischen, insbesondere aber der außenpolitischen Fragen, welche diesen Kongreß in einem Maße, wie vielleicht keinen anderen, beherrscht haben, voll bewußt. Die Politische Kommission befaßte sich außer mit dem Problem der Zielsetzung vor allem mit dem Verhältnis zur Mandatarmacht. Aus dem großen Fragenkomplex waren folgende Fragen Gegenstand eingehender Beratungen: die durch das "Weißbuch vom 30. Oktober 1930 und den Brief des Premierministers MacDonald vom 13. Februar 1931 geschaffene politische und staatsrechtliche Lage im Verhältnis zwischen der Jewish Agency und der Mandatarmacht. Von den Spezialfragen wurde die Frage des Landentwicklungsplanes, welcher vom Kolonialamt vorbereitet wird, die Siedlungspolitik des Keren Kajemeth sowie die Immigrationsfrage behandelt. In diesem Zusammenhang sei es mir gestattet, einige prinzipielle Bemerkungen vorauszuschicken. Der Zionismus, der im Basler Programm seinen Ausdruck gefunden hat, bedeutet für uns die Lösung der Judenfrage, an der die ganze Welt interessiert ist. Trotz Weltkrise und trotz des Wegfalles des großen Judenzentrums in Rußland, trotz mangelnder Ermunterung seitens der lokalen palästinensischen Administration hat das jüdische Volk, getrieben durch die Not der Judenfrage und durch die Liebe zur alten Heimat und die Hoffnung, dort ein neues freies nationales Leben beginnen zu können, aus dem verkarsteten Boden Palästinas schon in den wenigen ersten Jahren ein Wunder hervorgezaubert. Die Besiedlung des Landes unsererseits geht ohne Zwang, ohne Druck und ohne Machtmittel vor sich. Freiwillig sind die Beiträge, freiwillig und gütlich wird der Preis bestimmt, den wir so wie einst unser Vorfahr Abraham für den seit Jahrhunderten brachliegenden, vernachlässigten Boden zahlen. Wir haben den Wert des bis zum Beginn unserer Kolonisationsarbeit ganz wertlosen Bodens gehoben, nicht nur dadurch, daß wir für ihn einen Liebhaberpreis zu zahlen immer bereit waren, sondern auch durch die wunderbare Leistung unserer Arbeiterpioniere. Wir brachten in das seit Jahrhunderten vernachlässigte Land Kultur und lehrten neue Arbeitsmethoden in Landwirtschaft und Industrie. Dadurch wuchs auch die Aufnahmefähigkeit unseres Landes. Das jüdische Volk begann die in ihrer Art und Form in der ganzen Kolonisationsgeschichte einzigartige „Wiedergeburt-Kolonisation", dies zu einer Zeit, wo nicht nur die ganze Welt, speziell jedoch wir Juden durch den Weltkrieg ausgeblutet und geschwächt waren und mit ungeheuren Schwierigkeiten finanzieller, technischer und administrativer Natur zu kämpfen hatten. Hier befassen wir uns mit der politischen Seite des Problems. Ein komplizierter Mechanismus ist es, mit dem wir in unserer Arbeit zu rechnen haben, die lokale englische Verwaltung, Colonial Office bezw. Gesamtregierung in London, Mandatskommission und Völkerbundsrat in Genf. Von großer Bedeutung ist es auch, ein Verhältnis zu unseren Nachbarn im Lande zu finden.