Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 415)
- Language
- German, English, Hebrew
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4I2 2o. Kongreß-Sitzung: Bericht der Erziehungskommission jüdischen Hochschülern mit einer Handbewegung zur Tagesordnung hinwegzugehen. Der Antrag Ussischkin wird mit J2 gegen 68 Stimmen abgelehnt. JOSEF FRANKEL: Die Hebräische Universität ist heute unter der Leitung Magnes' eine Burg des Antizionismus, ihre Leitung verzichtet auf den zionistischen Geist, und die führenden Personen liefern unseren Feinden Material, wie in Angelegenheit der Klagemauer, wo einige Dozenten den Arabern Material lieferten, es den jüdischen Vertretern dagegen verweigerten. Die Leitung verstößt nicht nur gegen die nationalen Ideale — die Studenten haben schon gegen die Leitung Protestversammlungen veranstaltet —, sondern sie ist auch unfähig, eine Universität zu führen. Nahezu 700 Studenten, die die hebräischen Mittelschulen in Jerusalem und Tel Aviv beendet haben, müssen im Ausland studieren, und das arme Palästina muß deshalb gegen 42.000 Pfund ins Ausland schicken. Im Namen der zionistischen Studenten protestiere ich gegen den Geist des Verzichtes auf nationale Kultur und nationale Ideale in der Hebräischen Universität und bitte Sie, meinen Antrag anzunehmen (Zurufe: Warum sprechen Sie nicht hebräisch?). BERL KATZNELSON (Arb., Erez Israel — spricht hebräisch): Diese Resolution wird sicher durch eine zufällige Mehrheit von Delegierten angenommen werden, schon auf Grund der Fraktionsdisziplin. Ich warne Sie! Es handelt sich hier um eine sehr wichtige Sache. Es geht hier nicht darum, ob wir mit diesem oder jenem Professor sympathisieren, ob dieser oder jener Professor richtig handelt, es geht um die Frage der Freiheit des Geistes und der Freiheit unserer Kultur (Beifall, Zwischenrufe). Sie können mich sicher stören, darin sind Sie sicher sehr gewandt, aber Sie werden meine Treue zu unserer Kultur und meine Besorgnis um unsere politische Situation nicht bezweifeln. Wenn wir hier die Frage der Universität überhaupt behandelt hätten, untersucht hätten, ob sie gut oder schlecht ist, ob der Lehrplan, der Plan der Fakultäten den Bedürfnissen des Jischuw in Erez Israel entspricht, ob sie den Bedürfnissen des Aufbaues und den Bedürfnissen der Volkskultur angepaßt ist, so hätte ich die Universität ernst kritisiert und große Forderungen an sie gestellt. Ihre Resolution behandelt aber eine ganz andere Sache. Sie bedeutet, daß der Kongreß berechtigt sein soll, die politischen Anschauungen von Leuten zu beurteilen, die sich mit wissenschaftlicher und kultureller Arbeit befassen. Jeder von uns ist selbstverständlich berechtigt, einen Ideenkampf mit jedem Teile des Jischuw, mit jedem Juden zu führen, auch mit den Personen, die einen öffentlichen Posten bekleiden. Jeder von uns ist berechtigt, mit seinem ganzen Eifer und der ganzen Konsequenz für seine Ideen zu kämpfen. Wir haben aber kein moralisches Recht, irgendeinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sei es ein Mathematiker, Historiker oder Philosoph, als illegitim zu erklären, wenn wir mit seinen politischen Ansichten nicht einverstanden sind (Zwischenruf URI ZWI GRÜNBERG: „Aber die Professoren sind Verräter!"). Auch ich führe einen Ideenkampf mit vielen Personen, die im Lande wichtige und verantwortungsvolle Posten bekleiden. Aber so lange sie ihre eigentliche Aufgabe ehrlich erfüllen, werde ich die politische Diskussion nicht auf das Gebiet ihrer wissenschaftlichen und kulturellen Arbeit verlegen. Es handelt sich hier nicht um Kontrolle und Posten, sondern um eine der wichtigsten Fragen: welchen Geist wir in den Zionismus und in seine kultu-