Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 409)
- Language
- German, English, Hebrew
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2o. Kongreß-Sitzung: Bericht der Erziehungskommission BERL KATZNELSON (Arb., Erez Israel — spricht hebräisch): Das Bild dieser Kongreßsitzung, in der wir die Frage der Erziehung und Kultur behandeln, ist eine ausgezeichnete Illustration zum Verständnis der Frage. Über jede künstlich geschaffene Frage, über jede Frage, die ohne konkreten Inhalt ist, debattieren wir Tage und Nächte und ereifern uns, aber für eine so vitale Frage wie das Problem, in wessen Händen sich die Erziehung in Erez Israel befinden wird, gibt es kein Gehör und keine Zeit. Es genügt nicht, eine Resolution zu fassen, wonach die Erziehungsarbeit ein organischer Teil des Zionismus ist. Jede Arbeit muß in der richtigen Atmosphäre behandelt werden, dort, wo man ein wirkliches Interesse dafür hat. Wenn wir aber die Leitung der Erziehung derrt Jischuw in Erez Israel wegnehmen und die Frage nicht dort behandeln, wo Eltern, Kinder und Lehrer daran interessiert sind, sondern die Beratung nach dem. fremden und weit entfernten Basel verlegen, wo die meisten Delegierten nicht einmal die Sprache beherrschen und wo man keine Sensation in dieser Frage findet, wie z. B. in der Frage der Exekutivewahlen oder des Vertrauens- und Mißtrauensvotums, dann versündigen wir uns gegen die lebensnotwendigen Interessen des Jischuw. Als die Frage der Erziehungsarbeit in der Assefath Haniwcharin behandelt wurde, war der Saal überfüllt und alle Anwesenden und der gesamte Jischuw wußten, daß es sich um eine Lebensfrage für sie handelte. Hier wird die Sache nach einer zufälligen Zusammensetzung von Menschen entschieden werden, die nicht zu bequem waren, im Saal zu erscheinen. Wir gehören nicht zu jener Richtung im Zionismus, die nicht weiß, was: hebräische Kultur bedeutet und deshalb die Erziehung zur hebräischen Kultur geringschätzt. Wir betrachten die Erziehung nicht als eine „unproduktive" Ausgabe. Wir haben nie daran gezweifelt, daß die Erziehungs- und Kulturarbeit ein organischer Teil der zionistischen Bewegung ist und oft auch die Grundlage für die zionistische Tätigkeit. Wir glauben aber, daß die konkreten Angelegenheitert der Erziehung nicht auf dem Kongreß in Basel, sondern in Erez Israel behandelt werden sollten. Dies soll z. B. in Bezug auf die Wahl des Leiters des Erziehungswesens gelten. Das bedeutet keine Geringschätzung der Erziehung, sondern das: Gegenteil. Wenn wir dafür kämpfen, daß man die Sorge für die Erziehung irrt geistigen Sinn, wie auch die materielle Verantwortung für die Erziehungsarbeit allmählich an den Jischuw in Erez Israel überträgt, so tun wir das, weil die Interessen der Erziehung verlangen, daß die Erziehungsarbeit nicht zu einer bürokratischen Angelegenheit, zu einer von außen her dirigierten Sache wird. Die Erziehung in Erez Israel leidet in hohem Maße darunter, daß die Eltern und der Jischuw überhaupt keinen Einfluß auf die Erziehungsangelegenheiten und auf die Lage der Schulen haben. Wir halten den gegenwärtigen Zustand für schlecht, sowohl vom rein erzieherischen Standpunkt als auch vom Gesichtspunkte der Interessen des Zionismus aus gesehen. Selbstverständlich sind wir dafür, daß gewisse Summen aus: dem zionistischen Budget für Erziehung bewilligt werden. Ich fürchte aber, daßwir bald, obzwar wir unserer Idee nach eine große kolonisatorische Bewegung sind, in budgetärer Hinsicht zu einer kleinen Kulturgesellschaft werden könnten. Die Aufgabe des Zionismus ist es, Juden nach Erez Israel zu bringen, sie dort anzusiedeln und sie dann sich selbst zu überlassen. So ist es nicht Aufgabe der Zionistischen Organisation, die bestehenden Wirtschaften in Petach Tikwah und Rechoboth zu erhalten; sie hat den einwandernden Juden auf seine eigenen Füße