Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 399)
- Language
- German, English, Hebrew
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396 19- Kongreß-Sitzung: Bericht der Politischen Kommission BERICHTERSTATTER Dr. GOLDMANN: Ich stehe auf dem Standpunkt, daß der Antrag der revisionistischen Fraktion kein Amendement ist, sondern ein selbständiger Antrag. Es ist bei uns der Brauch, daß, wenn ein Majoritätsantrag und ein Minoritätsantrag vorliegt, zuerst über den Antrag der Majorität abgestimmt wird. Darum bin ich der Ansicht, daß zuerst der Antrag der Majorität zur Abstimmung gelangen soll; wird er angenommen, so ist die Materie der Zielsetzung damit erschöpft und erledigt. VORS. PRÄS. MOTZKIN: Ich denke, wir können zuerst über die Vorschläge der Kommission abstimmen, vorausgesetzt, daß damit der andere Antrag nicht fallen gelassen wird. Ich glaube, daß wir uns so einigen können und daß damit die Interessen aller gewahrt sind. Ich erteile das Wort Herrn Grünbaum zu einem Amendement zur Resolution der Kommission. JIZCHAK GRÜNBAUM (Rad., A.C.): Gestatten Sie mir zunächst eine Bemerkung, die sich auf den Antrag der Revisionisten bezieht. Hätten die Revisionisten ihren Antrag so gestellt, wie Herr Grossmann ihn begründet hat, so hätte sich wahrscheinlich überhaupt keine Hand gegen den Antrag erhoben. Aber der Antrag wurde juristisch und politisch begründet.. . VORS. PRÄS. MOTZKIN: Sie dürfen nur zur Begründung Ihres Amendements sprechen. JIZCHAK GRÜNBAUM (fortfahrend): Wozu soll ich zweimal sprechen? Ich sage also: Der Antrag wurde juristisch und politisch begründet, und die juristische sowohl wie die politische Begründung sind falsch (Zwischenruf LICHT¬ HEIM: Sie haben nicht darüber zu sprechen, sondern über Ihr Amendement). VORS. PRÄS. MOTZKIN: Wenn Sie nicht Ihr Amendement begründen, werde ich Ihnen das Wort entziehen. JIZCHAK GRÜNBAUM (fortfahrend): Deshalb erkläre ich im Namen der Radikalen, daß wir uns an der Abstimmung über den revisionistischen Antrag nicht beteiligen werden. Jetzt komme ich zu meinem Amendement. Es gibt eine Art Gesellschaftsspiel, bei dem eine Gesellschaft sich verabredet, daß bestimmte Worte von keinem gebraucht werden. Und das Spiel ist derartig, daß man sich bemüht, über gewisse Dinge zu sprechen, jedoch ja nicht die passenden Worte, zu gebrauchen. Dann umschreibt man diese Worte, um sie nur ja nicht in den Mund nehmen zu müssen. Die Resolution, die von der Mehrheit der Kommission vorgeschlagen wurde, macht diesen- Eindruck. Alles ist darin gesagt, nur das bestimmte Wort, das man dabei gebrauchen muß und das uns alle Umschreibungen erspart hätte, wurde nicht benützt, man hat Furcht davor. Auf diesem Kongreß und besonders auf seiner linken Seite existiert eine Art Furcht vor gewissen magischen Worten. Es ist die größte Tragödie des Zionismus, daß diejenigen, die die größten Opfer für ihn bringen, in Erez Israel arbeiten und kämpfen und die für den Zionismus leben und die in der vordersten Reihe stehen — daß die linke Seite unserer Bewegung am meisten „ugodistisch" ist (Zwischenruf JABOTINSKY: Auf unserer Linken sitzt eine reaktionäre Partei). Mein Vorschlag ist ganz bescheiden. Ich will nicht einen Antrag stellen, der das-ganze mühsam aufgestellte Gebäude um-