Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 396)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grossmann, Katznelson 393 idee entspringen muß. Wenn Ihr Ideal ein Judenstaat und eine jüdische Mehrheit ist, so ist Ihre Taktik eine andere, die Politik, die Wirtschaftsmethoden, das Tempo Ihrer Arbeit und Ihr Arbeitsplan sind andere, als wenn sie sich mit Halbheiten begnügen. Wenn Sie eine jüdische Mehrheit haben wollen, so kommen Sie offen mit dieser Forderung vor die Regierung und beschränken Sie sich nicht auf kleinliche Ziele. Dann können Sie vieles verlangen, dann hat der Kampf gegen ein Parlament einen Sinn, ebenso der Kampf um den Palestine Development-Plan und für eine jüdische Einwanderung. Wenn Sie aber einen Judenstaat nicht erstreben, keine Mehrheit haben wollen und Ihre Endziele verhehlen, so können Sie nicht verlangen, daß man Ihnen besondere Bedingungen gewährt. Dann können Sie gegen ein Parlament nicht kämpfen. Sie können nicht verlangen, daß man die aus den jetzigen Landesverhältnissen sich ergebende Entwicklung wegen einer kleinlichen, unklaren Sache hemmt. Unsere Resolution hat einen doppelten Sinn: Sie ist sowohl ein außenpolitischer als auch ein innenpolitischer Akt. Die englische Regierung treibt uns immer mehr und mehr auf einen Weg der politischen Defensive. Diese Resolution muß den Anfang einer zionistischen politischen Offensive bedeuten (Beifall). Wir stellen vor uns, vor England und vor der ganzen Welt fest, was man mit der Balfour-Deklaration beabsichtigt hat. Wir stellen fest, wie die jüdischen nationalen Aspirationen durch das englische Volk und wie sie durch uns interpretiert wurden. Wir stellen klar und deutlich das Endziel des Zionismus, seinen Weg und den Umfang seiner Arbeit fest. Auf Grund eines solchen Programmes wird eine neue Zionistische Exekutive ihre Arbeit beginnen können. Selbstverständlich haben wir nie daran gedacht, daß die Leute, die unsere Ideale verleugnen, unsere Resolution ausführen und eine neue Periode in der zionistischen Geschichte einleiten könnten. Statt unsere Resolution offen zu bekämpfen, haben sie durch verschiedene Manöver das große Ereignis des heutigen Abends verwischen wollen. Wir verlangen, daß unsere Resolution als Präambel kommt (Zwischenruf ARLOSOROFF: Wir wollen keine Provokation!). Ja, Sie haben einen richtigen Gedanken zum Ausdruck gebracht. Wir wollen nicht unter Provokationen arbeiten, wir wollen nicht, daß der Gedanke des Judenstaates wegen der von Ihnen bestellten Telegramme zunichte wird. Wir sind zu Ihnen mit einem klaren Programm gekommen und wir müssen in dieser Stunde mit größter Ehrfurcht auf die Zionisten unserer tausendjährigen Geschichte blicken, die Erez Israel immer mit der jüdischen Hoffnung und dem jüdischen Glauben verknüpft haben, und wir hoffen, daß in diesem Saal sich genug mutige Menschen finden werden, die für unsere Resolution über den Judenstaat und die jüdische Mehrheit auf beiden Seiten des Jordan stimmen werden (Beifall). BERL KATZNELSON (Arb., Erez Israel, von stürmischem Beifall begrüßt): Im Namen der Arbeiter-Fraktion schlage ich Ihnen vor, über den revisionistischen Vorschlag zur Tagesordnung überzugehen (Zwischenruf STRICKER: Uber den Judenstaat zur Tagesordnung?). Ich überbringe Ihnen den Antrag der Arbeiterbewegung im Zionismus, die in den schwersten Jahren der zionistischen Bewegung entstanden ist, in den Jahren nach Uganda, wo alle politischen Wege vor uns verschlossen waren, in einer Zeit, da die jüdische Jugend in Osteuropa in die russische revolutionäre Bewegung verstrickt war, wo der Führer des Zionismus tot war und die Bewegung vor dem Zusammenbruch stand. Damals wurde der