Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 331)
- Language
- German, English, Hebrew
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328 14- Kongreß-Sitzung: Referat über Handel und Industrie 98 Prozent jüdischer Arbeiter beschäftigt. Trotzdem gibt es immer Reibungen, Streiks und Mißverständnisse, die die Entwicklung der Industrie hemmen. Wir fordern schon seit Jahren, daß neutrale Arbeitsbureaus geschaffen werden, damit man zu einem besseren Verhältnis zwischen Industriellen und Arbeitern kommt. Aber bei uns kommt man immer mit Vorschlägen gemeinsamer Arbeitsbureaus, was dahin zielt, die bestehende Lage nicht zu ändern. Ich will eine Illustration bringen: Ein Industrieller hat seine Fabrik nach Syrien verlegt. Als man ihn mit Entrüstung fragte, warum er sein Unternehmen aus Erez Israel nach Syrien verlege, erwiderte er: „Vergeßt nicht, daß in meiner Fabrik acht Monate gestreikt wurde; ich kann so nicht existieren." Ich will nicht sagen, daß gerade die Arbeiter Schuld an den Streiks hatten. Vielleicht war das Gegenteil der Fall. Aber die Tatsache, daß es solche Streiks gab, verschaffte dem Industriellen die Ausrede, seine Fabrik zum Schaden des Jischuw nach Syrien zu verlegen. Wir glauben, daß die Frage der Einrichtung von neutralen Arbeitsbureaus und gemeinsamen Kommissionen und Zusammenkünften zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine sehr aktuelle Frage ist, deren Lösung viel zur Förderung der Industrie beitragen könnte. Die P orderungen der Organisation der Industriellen an den Kongreß sind folgende: 1. Die Eröffnung der Industriebank zu beschleunigen; 2. das Tätigkeitsgebiet der Industrie-Abteilung der Jewish Agency zu erweitern; 3. bei der Agency eine oberste ökonomische Abteilung zu gründen; 4. den Export durch Erteilung von Prämien zu fördern; 5. der Konsolidierung von bestehenden Industrieunternehmungen durch Erteilung von langfristigem Kredit zu helfen; 6. die Schaffung von neuen Industriezweigen zu fördern und diesbezügliche Propaganda unter Kapitalisten im Auslande zu betreiben; 7. die Regierung zu bewegen, daß sie wieder das Industrie-Departement eröffne, das bei ihr vor einigen Jahren bestand; 8. von der Regierung zu verlangen, das Zoll- und Tarifsystem zum Schutze der lokalen Produktion zu ändern; 9. von der Palästinaregierung zu verlangen, daß sie lokale Produktion bevorzugt; 10. einen Aufruf an das jüdische Volk zu erlassen, Tozereth Haarez zu verwenden. Ich möchte über die letzten zwei Forderungen einiges sagen. Der größte Konsument der Industriewaren im Lande ist die Palästinaregierung, die oft Industriewaren für Zehntausende von Pfund einkauft. Die Palästinaregierung kauft aber nichts von palästinensischer Produktion. Die Regierung ist der größte Unternehmer des Landes. So errichtet die Regierung den Hafen von Haifa. Man tritt bald an die Errichtung der Bagdad-Linie heran. Es werden auch sonst große Regierungsarbeiten im Lande vollzogen, die Regierung bestellt aber alle Waren, die sie braucht, durch ihre Kronagenten aus London und bezahlt oft das Doppelte, kauft aber nichts in Palästina. Die Zionistische Organisation muß mit allem Nachdruck eine Änderung in dieser Richtung verlangen, so wie sie die Errichtung einer jüdischen Mehrheit in Erez Israel verlangt. Wir müssen auch auf der Forderung bestehen, daß die Juden im Auslande Tozereth Haarez kaufen. Wir müssen den Juden erklären, daß es in Erez Israel eine Industrie gibt und daß es sich aus rein geschäftlichen Gründen lohnt, ver-