Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 323)
- Language
- German, English, Hebrew
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320 i j. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte wünscht, und daß man in jedem gegebenen Moment vor der Alternative steht, entweder das, was sich als erreichbar erweist, anzunehmen, oder überhaupt nichts zu erhalten- Der Brief ist ein Kompromiß, das wenigstens einigermaßen uns entgegenkommt und von dem zumindest gesagt werden kann, daß er das Tor, welches das Weißbuch verschlossen hat, wieder eröffnete. Wenn der Brief in richtiger und ehrlicher Weise durchgeführt wird — und daß dies geschieht, dafür müssen wir alle sorgen — dann ist er ein Ausgangspunkt, von dem wir zur Festigung und Verbesserung unserer Position fortschreiten können. Wesentlich ist, daß der Brief in der Praxis durchgeführt wird. In diesem Punkt können wir uns jetzt noch keineswegs befriedigt erklären. Die Politik und Haltung der Palästina-Verwaltung haben bis zum heutigen Tag in gewisser Hinsicht noch nicht die Wandlung zum Ausdruck kommen lassen, die wir als Ergebnis des MacDonald-Briefes zu erwarten berechtigt sind. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, ein endgültiges Urteil über den Wert des Briefes zu fällen. Ich möchte besonders (obwohl es sich hier nur um einen Punkt unter vielen handelt) Bezug nehmen auf die Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, ein Punkt, zu dem der Brief des Premierministers ausdrückliche Zusicherungen machte. Zu dieser Frage haben wir der Regierung bereits klar gesagt,, daß wir nicht in der Lage sind, den MacDonald-Brief als wirklich durchgeführt zu betrachten, und daß dieser Brief nur dann als Basis für eine Kooperation dienen kann, wenn seine Verfügungen sowohl dem Buchstaben als auch dem Geiste nach ausgeführt werden. Lassen Sie mich hinzufügen, daß ich überzeugt bin, daß der Premierminister der erste sein wird, der ernstlich Anstoß daran nehmen würde, wenn er sich davon überzeugt, daß die Palästina-Administration es daran fehlen läßt, denjenigen Versprechungen, unter die er seinen Namen gesetzt hat, Wirksamkeit zu verleihen. Ich weiß selbst nur zu gut, und ich zögere nicht, es hier ganz offen zu sagen, daß in Beamtenkreisen — sowohl in London und noch mehr in Jerusalem — mit Obstruktionen und sogar Übelwollen gerechnet werden muß, und es wird des festen Eingreifens seitens der höheren Autoritäten bedürfen, um diese Hindernisse zu beseitigen. Die britische Regierung wird sich bald mit der Ernennung eines neuen High Commissioners zu beschäftigen haben, und die Handlungen dieses neuen High Commissioners, ferner die Haltung des künftigen Leiters der Development Commission und der Anteil, den man uns innerhalb der Development Commission gewahren wird, werden der wahre praktische Prüfstein für den Wert des MacDonald-Briefes sein. Ich grenze mich ab und protestiere sogar sowohl gegen die Form als auch gegen einen erheblichen Teil des Inhaltes der Rede von Dr. Stephen Wise, die nach meiner Meinung der zionistischen Sache einen schlechten Dienst erwiesen hat. Durch Übertreibung unserer Anklage gegen die britische Regierung und dadurch, daß er sie in eine Sprache maßloser Schärfe kleidete, reicht er unseren Gegnern eine helfende Hand. Zu gleicher Zeit möchte ich englische Leser seiner Rede auf die Tatsache aufmerksam machen, daß in den ersten Jahren des Weltkrieges, bevor noch Amerika in ihn verwickelt war, Dr. Wise und seine Freunde unter den ersten waren, die sich für die Sache Englands in Amerika einsetzten. Jeder, der mit den Tatsachen bekannt ist, wird zugeben, daß Dr. Wise in jenen Tagen Großbritannien wertvolle Dienste erwiesen hat. Während ich also seine übertriebenen Darstellungen und die Art und Weise, wie er sich ausdrückte, tief bedaure,.