Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 322)
- Language
- German, English, Hebrew
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W eizmann 319 sprochen dafür, daß sie sich begnügte, das Gleichgewicht zwischen den beiden Völkern zu halten, anstatt konstruktive Arbeit zu leisten. Diese Kritik wurde weiter entwickelt in unserer Antwort auf das Weißbuch, die Herr Leonard Stein verfaßte. § 4 des MacDonald-Briefes bildet eine Antwort auf diese Kritik. Die Tatsache, daß der Premierminister vom Weißbuch als dem „dominating document" spricht, ist viel erwähnt worden. Diese Worte gebrauchte er in einer unvorbereiteten Antwort auf eine zusätzliche Frage im Parlament (das heißt, eine Frage, die ihm ohne Voranmeldung gestellt wurde). Der wahre Status des Mac- Donald-Briefes in seinem Verhältnis zum Weißbuch wurde vom Premierminister am nächsten Tage in einer offiziellen Erklärung klargestellt. Der Text dieser Erklärung ist allgemein bekannt und bedarf keiner Wiederholung. Im Zusammenhang mit den im ersten Paragraphen des Briefes gebrauchten Ausdrücken spricht er für sich; aber hiervon abgesehen, scheint die wahre Bedeutung des Wortes „dominating" mißverstanden worden zu sein. Man hat es so dargestellt, als stünde es der Palästina-Verwaltung frei, dasjenige Dokument zu wählen, nach dem sie sich in Zukunft richten wolle, entweder das Weißbuch oder den Brief; verschiedene Redner hatten es so dargestellt, als ob im Konfliktfalle das Weißbuch und nicht der Brief den Sieg davontragen würde. In Wahrheit ist die Lage umgekehrt. Aus dem Brief geht unzweideutig hervor, daß im Konfliktsfalle der Brief und nicht das Weißburch gelten würde; das ist das Wesen der „authentischen Interpretation". Das Weißbuch beherrscht die Lage nur in dem Sinne, daß ohne Weißbuch es keinen Brief gegeben hätte- So wie in einem Bild die Leinwand die Malerei „beherrscht". Von einem praktischen Standpunkt ist der einzige wichtige Punkt der, daß, wo zwischen den beiden Dokumenten ein Unterschied besteht, der Brief das Weißbuch beherrscht und nicht umgekehrt. Das ist auch die Auffassung der kompetenten juristischen und politischen englischen Kreise. Weitere Kritik bezog sich auf jenen Teil des Weißbuches, der sich mit dem Gesetzgebenden Rat befaßt, und der im MacDonald-Brief nicht berührt wird. Weil ich gesagt habe, daß der Brief meiner Ansicht nach die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht bildet, haben meine Kritiker vorausgesetzt, daß ich den Teil des Weißbuches angenommen habe, der sich mit dem Gesetzgebenden Rat befaßt. Dies ist nicht der Fall. Ich habe meinen Standpunkt zu diesem Problem klar und deutlich in meinem Brief an Lord Passfield vom 19. September 1930 definiert. Der Brief ist den meisten von Ihnen bekannt, und Auszüge daraus sind von James de Rothschild im englischen Parlament am 17. November 1930 verlesen worden. In diesem Brief forderte ich eine Round Table Conference zwischen Juden und Arabern unter den Auspizien der britischen Regierung; ich schrieb wie folgt: „Ich rege an, daß die Konzedierung eines Gesetzgebenden Rates ein Ergebnis der Round Table Conference sein und ihr nicht vorangehen soll; bevor in einem Gesetzgebenden Rat fruchtbare Arbeit geleistet werden kann, muß erst eine gemeinsame Grundlage für die beiden Völker gefunden werden." Und ich sprach in demselben Brief unsere Uberzeugung aus, „daß die Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates ohne vorhergehende Verständigung zwischen uns und den Arabern nur Schaden stiften kann und die Erreichung einer solchen Verständigung unvergleichbar schwerer machen würde". Diese Anschauung habe ich der Kabinett-Konferenz wiederholt und zu Protokoll gegeben. Ich behaupte nicht, daß der Brief uns alles gegeben hat, was wir wünschen; leider ist es in der Politik so, daß man nicht alles erreichen kann, was man