Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 307)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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3 o4 12. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Dr. CHAIM ARLOSOROFF (Arb., Erez Israel — spricht deutsch): Im Namen der Arbeiterfraktion habe ich folgende Interpellation an den Präsidenten der Zionistischen Organisation zu richten: Herr Stricker hat im Verlauf seiner Rede auf ein Interview Bezug genommen, das der Präsident der Zionistischen Organisation der Jüdischen Telegraphen- Agentur gegeben haben soll. Aus diesem Interview hat Herr Stricker u. a. folgenden Passus zitiert: „The world will construe this demand only in the sense that we want to acquire a majority in order to drive out the Arabs." Dieser Passus, wenn sinngemäß wiedergegeben, ist sowohl sachlich wie politisch falsch und schädlich. Wir sind überzeugt davon, daß kein ehrlicher Mensch in der Welt in dem Willen, eine jüdische Mehrheit zu schaffen, den Wunsch sehen kann, Araber aus dem Lande zu vertreiben. Wir fordern deshalb den Präsidenten der Zionistischen Organisation auf, dem Kongreß unverzüglich Erklärungen bezüglich dieses zitierten Interviews zu geben. Dr. CHAIM WEIZMANN (Präsident der Zion. Org., stürmisch akklamiert, aus den Bänken der Revisionisten ertönen Pfuirufe — spricht deutsch): Gewisse Erklärungen, die ich bezüglich der Forderung einer jüdischen Majorität in Palästina abgegeben habe, wurden in einer unglücklichen Formulierung abgegeben und haben dadurch zu neuen Mißverständnissen Anlaß gegeben (Zwischenruf STRIK- KER: Sie haben diese Formulierung bestätigt!) Es ist mir daher willkommen, daß ich Gelegenheit habe, die Sache aufzuklären. Zunächst möchte ich feststellen, daß ich weder gesagt noch jemals gemeint habe, daß irgend eine Gruppe dieses Kongresses die Absicht hat, die Araber aus Palästina zu vertreiben oder daß die Forderung einer jüdischen Majorität von irgendeiner Kongreßgruppe in dieser Hinsicht verstanden wird (Zwischenruf STRICKER: Aber von der Welt!). Wir haben aber im Verlaufe von zehn Jahren die Erfahrung gemacht, daß die Forderung nach einer jüdischen Majorität von unseren Gegnern in der Außenwelt so mißdeutet wurde, als wollten wir die Araber beherrschen oder sogar aus dem Lande vertreiben. Wir als Zionisten wissen, daß dies nicht gemeint ist, und wir haben es immer wieder versichert. Aber es ist eine Tatsache, daß diese falsche Interpretation in der Öffentlichkeit, bei Politikern und in der Presse immer wieder uns entgegentritt. Wir haben als Ihre Repräsentanten jahrelang in dieser Welt zu arbeiten gehabt, und ich sage nicht meine Meinung, sondern ich stütze mich auf diese Erfahrungen, wenn ich darauf hinweise, daß die Proklamierung der Forderung einer jüdischen Majorität von einem feindlichen Teile der politischen Welt in der von mir erwähnten Weise aufgenommen werden wird (Zwischenruf STRICKER: Hier steht „die Welt<e!). Darum habe ich gesagt, daß ich kein Verständnis habe für die Formulierung der Mehrheitsforderung als politische Parole. Ich wiederhole aber noch einmal mit aller Entschiedenheit, was ich bei vielen früheren Gelegenheiten gesagt habe, daß die Forderung nach irgend einer Begrenzung des Umfangs und des Wachstums der jüdischen Bevölkerung in Palästina, absolut unakzeptabel wäre. Ich glaube vielmehr, daß es unsere Aufgabe ist, möglichst viel Juden in wirtschaftlich gesicherter Position nach Palästina zu bringen und eine große, wirtschaftlich und kulturell starke, politisch gesicherte und autonome Juden siedlung, die alle Funktionen eines echten jüdischen Nationalheims erfüllen kann, im Lande zu verankern. Unsere ganze Arbeit ist darauf gerichtet, diesen Kern eines jüdischen Na-