Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 306)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bermann, Schmorak, Motzkin 3°3 können, ist ein weiter Weg. Die Hauptlast ruht weiter auf dem jüdischen Volk, Stein um Stein, Position um Position, in schwerer täglicher Arbeit muß Palästina von uns aufgebaut werden. Herr Locker hat uns gefragt, ob wir uns mit dem sozialen Fortschritt verbünden oder mit der sozialen Reaktion der Revisionisten. Die Revisionisten haben noch keine Gelegenheit gehabt, in der Praxis zu beweisen, was sie sozial wollen. Die Allgemeinen Zionisten haben in den letzten zehn Jahren ihre Arbeit immer mit sozialem Fortschritt und sozialer Gerechtigkeit verknüpft. Wir wollen und werden das auch weiterhin tun. Spricht man aber vom System der nationalen Kolonisation, so glaube ich, daß dieses System nicht nur in dem liegt, was die Arbeiter vertreten. Es ist hier gesagt worden, daß die nationale Kolonisation 7600 Seelen in der Landwirtschaft angesiedelt hat. Diese Kolonisation führen wir seit zehn Jahren und sie hat 1,1 Millionen Pfund gekostet. Aber seit 1925 sind dank der Privatinitiative neun Kolonien entstanden, in denen zusammen nahezu 1000 Familien angesiedelt wurden. Diese Kolonien kosteten dem Keren Hajessod aber nur 135.000 Pfund (Zwischenrufe LOCKER und MEREMINSKI: „Sie schaffen eine Legende. Wir sind doch nicht Gegner der Privatinitiative"). In diesen Kolonien fand außerdem auf jüdischem Boden in der Landwirtschaft eine große Anzahl von Arbeitern Beschäftigung. Ich frage Sie: Gehört das, was hier geschaffen wurde, zum System der nationalen Kolonisation oder nicht? Sind hier nicht ebenso Verbundenheit mit dem Boden, jüdische Arbeit und Selbstarbeit realisiert worden? Ohne den Wert der offiziellen kolonisatorischen Arbeit leugnen zu wollen, darf man doch von Kongreß und Leitung ebensolche Aufmerksamkeit für die Arbeit verlangen, die im Grunde dasselbe leistet und viel mehr Kapital ins Land bringt und Arbeitsmöglichkeiten schafft (Beifall). Wir stehen auf dem Standpunkt, daß eine richtige Auffassung des Systems der nationalen Kolonisation notwendig ist. Arlosoroff hat — als er die Wirtschaftspolitik für die Zukunft entwickeln wollte — Worte der Anerkennung für die Privatinitiative gefunden, ich würde wünschen, daß auch unsere Freunde von links und der Kongreß den Wert und die Möglichkeiten dieser von uns gewünschten Wirtschaftspolitik richtig einschätzten. Dann können wir viel weiterkommen. Wir stehen absolut abseits von der radikalen Politik der Revisionisten, können aber auf der anderen Seite nicht die Wirtschaftspolitik des einseitigen, falsch durchgeführten Systems der sogenannten nationalen Kolonisation der letzten Jahre gutheißen. Wir treten für alles ein, was im nationalen Gesamtinteresse ist. Alle Kräfte, die dem einzigen Ziel dienen, so schnell als möglich ein nationales Erez Israel zu bauen, müssen voran und verbunden arbeiten! Alles andere muß zurücktreten. Das ist die Richtlinie aller Allgemeinen Zionisten, mögen sie auch in Teilfragen verschiedener Ansicht sein; jede Partei, die diese Hauptansicht mit uns teilt, wird politisch und wirtschaftspolitisch mit uns gehen können (Beifall). VORS. PRÄS. MOTZKIN teilt (unter Protest der Linken) mit, daß eine kurze Pause stattfindet. Nach der Unterbrechung: VORS. PRÄS. MOTZKIN: Die Unterbrechung, die das Kongreßpräsidium gebraucht hat, ist zu Ende. Es liegt eine Interpellation der Arbeiterpartei vor, die Dr. Arlosoroff verlesen wird.