Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 303)
- Language
- German, English, Hebrew
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300 12. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Weißbuches- Während jedoch damals die ganze jüdische Welt aufbrauste und stürmische Proteste von allen Seiten erfolgten, die es endlich dazu brachten, daß der Premier die Jewish Agency zu Verhandlungen mit einem Ministerkomitee einlud, würde jetzt, wenn wir in die gleiche Lage kommen, die Sache anders sein. Man muß erwägen, daß zu der Zeit, da der MacDonald-Brief im Parlament verlesen wurde, unsere Freunde Lloyd George, Baldwin und andere, gerade diejenigen, auf die Rabbi Wise sich berufen hat, darin zustimmten, daß der Brief immerhin in hohem Maße die schrecklichen Resultate des Weißbuches zunichte gemacht habe. Wie die Sache sein wird, wenn wir den Brief in seiner Gänze zurückweisen, kann niemand voraussehen, denn niemand kann uns die Garantie geben, daß Lloyd George und Baldwin noch einmal den Kampf aufnehmen. So könnten wir in eine Lage gebracht werden, in der wir einfach nicht vom Fleck kommen und nochmals mit den Protesten beginnen müßten, noch weiter von der praktischen Arbeit entfernt würden. Daher sage ich nochmals: In der Sache des MacDonald-Briefes dürfen wir nicht ins Extrem verfallen. Ich komme nun zur Frage des Endziels, der Frage der neuen oder altneuen Formulierungen. Wenn Jabotinsky einfach und klar bewiesen hat, daß die Losung, die wir jetzt herausbringen sollen, in den Worten: „Wir wollen eine jüdische Mehrheit zu beiden Seiten des Jordans" bestehen soll, so ist dies, glaube ich, sehr erwünscht, und niemand von uns wird dagegen sein. Wenn Jabotinsky diese neue Formulierung durchsetzt, so rennt er meiner Meinung nach damit offene Türen ein. Aber es handelt sich nicht um die Frage, ob wir für einen Judenstaat sind, sondern ob wir diese Frage jetzt am Kongreß, auf den die Augen der ganzen Welt gerichtet sind, stellen oder gar in Verhandlungen darüber mit der Regierung eintreten sollen. Im Namen eines großen Teiles der amerikanischen Delegation erkläre ich, daß eine Forcierung dieser Frage heute eine große Gefahr in sich birgt. Sehr richtig sagte schon Raw Berlin, die Praxis der Aufrollung neuer Losungen müsse ein Ende nehmen. Aber das sollte für alle gelten und nicht nur mit Bezug auf Weizmann. Es ist unrichtig zu sagen, je mehr man fordere, desto mehr bekomme man. Wir sind hier keine Krämer, sondern ein Parlament, und Raw Berlin sollte doch nicht den Talmudsatz vergessen: „Greifst Du nach vielem, ergreifst Du nichts, greifst Du nach wenigem, ergreifst Du es." Ich schließe mich dem Appell Ab. Goldbergs, eine Koalition zu schaffen, an. Aber unter der Bedingung sine qua non: nur mit der Arbeiterpartei (Lebhafter Beifall). Eine Koalition, in der die Arbeiter nicht die führende Rolle spielen, wird zur Farce werden. Unsere Bewegung, alles was wir erreicht haben, beruht auf dem Chaluz und dem jüdischen Arbeiter. Das wichtigste schöpferische Element des Palästina-Aufbaues außerhalb der Koalition zu lassen, kann nichts Gutes bringen. Ich leugne nicht den Wert der anderen Elemente Palästinas, aber die Arbeiterbewegung ist das Fundament des Palästina-Aufbaues. Und von ihrem Erfolg hängt auch der Erfolg aller anderen Klassen ab (Beifall). Dr. Weizmann hat schon sein Blatt jüdischer Geschichte geschrieben, und sein Wert kann in diesem Moment nicht beurteilt werden, das wird die Zukunft tun. Sie aber, die künftigen Führer, haben erst Ihr Kapitel Geschichte zu schreiben. Laßt uns zusammen Schulter an Schulter gehen, zusammen bauen und zusammen Erez Israel beschützen (Lebhafter Beifall).