Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 302)
- Language
- German, English, Hebrew
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299 Zwölfte Kongreß-Sitzung* Montag, 6. Juli 1931, abends. Beginn der Sitzung 21 Uhr 10 Min. Vorsitz: Präsident Motzkin. JACOB FISHMAN (Allg., Amerika — spricht jüdisch): In der Debatte haben sich zwei sehr wichtige Fragen scharf und deutlich herauskristallisiert. Die eine ist die Stellungnahme zum MacDonald-Brief, in der es zwei Hauptströmungen gibt. Die eine Strömung, durch Dr- Wise und Jabotinsky vertreten, sagt klar und deutlich, daß der Brief unbedingt zurückgewiesen werden müsse. Auf der anderen Seite herrscht die Meinung, daß man den Brief nicht aus der Welt schaffen und auch nicht behaupten kann, daß er keine Möglichkeit zu weiteren Verhandlungen mit England gebe. Die zweite wichtige Frage in dieser Debatte ist die der Neuformulierung unseres Endziels im gegenwärtigen Augenblick. Auch darüber sind die Meinungen geteilt. Die Revisionisten, der Misrachi und andere Gruppen glauben, es sei jetzt die richtige Zeit, Neuformulierungen vorzunehmen und klar und deutlich das sogenannte Maximum unserer Forderungen auszusprechen. Was die Frage des MacDonald-Briefes betrifft, so vertrete ich und mit mir eine Anzahl von Amerikanern die Ansicht, daß wohl der MacDonald-Brief nicht völlig befriedigend für uns ist, daß er aber doch die Möglichkeit gibt, weiter zu verhandeln und wichtige und nützliche Dinge zu erreichen. Um eines davon zu nennen, sei auf den Development-Plan hingewiesen; eine zweite sehr nützliche Sache ist die Durchführung des Prinzips der Verwendung jüdischer Arbeiter bei Regierungsarbeiten. Schon aus diesem Grunde allein soll der MacDonald-Brief meiner Meinung nach vom Kongreß nicht zurückgewiesen werden. Ich sage nicht, daß der Kongreß kategorisch aussprechen solle, wie es der Präsident der Zionistischen Organisation tut, daß der Brief uns eine Basis für weitere Zusammenarbeit mit der britischen Regierung gebe. Man könnte einen anderen Weg finden, indem man sagt, daß wir bereit sind weiter zu verhandeln, indem man die entsprechenden Worte findet, um einen Teil unserer Zweifel auszudrücken, indem man darauf hinweist, daß vieles, was der MacDonald-Brief beinhaltet, noch nicht durchgeführt wurde, daß er in mancher Hinsicht gewisse Verordnungen ankündigt, die nicht hätten angekündigt werden sollen; dennoch seien wir bereit abzuwarten, welches die wirklichen Ergebnisse des Briefes sein werden. Ich gestehe offen, daß ich das nicht mit allzu großer Begeisterung vorschlage. Aber man muß auch die Konsequenzen in Betracht ziehen, die eine Zurückweisung des Briefes hätte, wie sie Jabotinsky in gemäßigter und — in merkwürdiger Vertauschung der Rollen — Rabbi Wise in stürmischer Weise gefordert hat. Man muß daran denken, daß wir im Falle einer Zurückweisung des Briefes wieder ungefähr in dieselbe Lage kämen, wie am Tage nach dem Erscheinen des