Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 293)
- Language
- German, English, Hebrew
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290 n. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte diert hat. Haben Sie je gehört, daß jemand einen Groschen geborgt erhalten hat, der sagt: „Was ich will, das werde ich nie erzählen"? Bilden Sie sich nicht ein, daß die Augustrede Weizmanns die letzte Etappe seiner Entwicklung war. Heute erschien folgendes Interview Weizmanns: „Ich habe kein Verständnis und keine Sympathien für das Verlangen nach einer jüdischen Mehrheit in Palästina (Pfuirufe). Mehrheit garantiert nicht die Sicherheit, Mehrheit ist nicht notwendig zur Entwicklung von jüdischer Zivilisation und Kultur (Unruhe). Die Welt wird das Verlangen nach einer jüdischen Mehrheit nur in dem Sinne auslegen, daß wir die Majorität wollen, um die Araber aus dem Lande zu verjagen" (Stürmische Pfuirufe rechts). Wissen Sie, was das heißt? Das heißt Provokation, das heißt jeden ehrlichen Zionisten als Gewaltmenschen hinstellen, jede künftige Leitung, die nicht den Weg Weizmanns geht, der kein zionistischer ist, von vornherein als extremistisch hinstellen, als eine Leitung, mit der man nicht verhandeln kann. Sie werden hier über die zionistische Finanznot reden, Sie werden das Vertrauen und die Hilfe des jüdischen Volkes verlangen. Dieses Programm verdient das Vertrauen nicht und wird es nicht finden. Sie können hier Weizmann wählen, der Herr Präsident kann eine schöne Rede halten, die Beamten und Sie können klatschen und Hatikwah singen. Aber dann ist Schluß. Sie werden kein Vertrauen finden. Alles wird noch ärger werden, wenn Sie diese Leitung behalten- Als Weizmann in Berlin seine Rede gegen den Judenstaat hielt, sagte ich ihm: Wenn Sie nicht glauben, dann gehen Sie weg. Man führt nicht, wenn man nicht glaubt. „Sie graben Herzl aus, um mir Opposition zu machen", sagte Weizmann. — „Sie müssen ihn ausgraben", antwortete ich ihm, „weil er für Sie tot ist; ich muß ihn nicht ausgraben, für mich lebt er." Und vorgestern hat Herr Präsident Weizmann Herzl ausgegraben. Er sagte, auf dem ersten Kongreß in Basel habe Herzl mit dem Judenstaat Schluß gemacht. Am 3. September 1897 aber, wenige Tage nach dem ersten Kongreß, schrieb Herzl in sein Tagebuch: „In Basel habe ich den Judenstaat geschaffen, das kann ich, ohne unbescheiden zu sein, sagen." Ich sage Ihnen, wenn Sie nicht vom Geiste Weizmann den Weg zum Geiste Herzl zurückfinden, ist alles verloren. Es gibt hier keinen Platz für diese zwei Geister: Entweder Geist Weizmann oder Geist Herzl! (Starker Beifall.) MOSCHE SCHAPIRA (Thora w'awodah, Erez Israel — spricht jüdisch): Der Abstieg des Zionismus beginnt nicht mit dem Weißbuch und den folgenden Schlappen. Schon Jahre vorher hatte sich die Leitung von den Volksmassen entfernt. Als Folge davon haben sie den Glauben an Erez Israel verloren. Als sich die Lage verschlimmerte, glaubte man, durch Anpassung an unsere Gegner die Lage zu retten. Man proklamierte den binationalen Staat. Man kam dazu, weil unsere Führer nicht mit der alten jüdischen Tradition verbunden waren. Wir haben eine ältere Deklaration als die Balfour-Deklaration. Jn der Bibel heißt es: Deinem Samen habe ich das Land gegeben. Bei uns gibt es keinen Chauvinismus. Bei uns gibt es ein altes Gebot: Ein Recht soll für den Fremdling und den Bürger bestehen. Aber eines muß klar sein: Erez Israel gehört uns und keinem anderen (Beifall). Der falsche Gedankengang kam auch zum Ausdruck im Leben und Schaffen in Erez Israel- Ich glaube, daß auch viele nichtreligiöse Juden mit der Form, in der sich das jüdische Leben in Erez Israel gestaltet, unzufrieden sind — fern