Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 286)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bernstein, Ruf eisen 233 wir es mit solchen Gegenspielern zu tun hätten. Der MacDonald-Brief hat die Basis für die Kooperation wieder hergestellt. Von den Erfolgen einer weiteren mit Würde und Entschiedenheit geführten Politik wird es abhängen, wielange wir uns auf eine kritische Kooperation beschränken müssen. Will denn Jabotinsky einen offenen Kampf? Wozu also die Begriffsverwirrung, die nur Schaden stiftet? Die Lage ist nicht befriedigend, sie ist unerträglich. Es gibt nun verschiedene Arten, wie der schwache Mensch auf eine unerträgliche Lage reagiert. Allen diesen Reaktionen ist gemeinsam, daß sie eine Flucht aus der Realität bedeuten, zum Teil in pathologische und darum jedenfalls hemmungslose Exzesse. Der starke Mensch sucht eine unerträgliche Lage durch persönliche Anstrengung zu meistern. Der Realpolitiker verwertet die romantische Konzeption zu schöpferischer Umgestaltung der Wirklichkeit. Die Frage des gesetzgebenden Rates für Palästina, den die Araber als Mittel zur Bekämpfung der Mandatsdurchführung und nicht zur Wahrung ihrer Staatsbürgerwürde wünschen, ist offen geblieben. Wir können, solange die Araber das Mandat als Ganzes nicht akzeptiert haben, uns gegen die Einführung einer gesetzgebenden Körperschaft wehren, dürfen aber nicht versäumen, anstatt wegen der drohenden Gefahr zu lamentieren, die Frage sorgfältig zu prüfen und konkrete Mittel zu suchen, um auf den Gebieten des geistigen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens eine Kooperation mit den Arabern vorzubereiten. Realpolitik ist nicht Verzichtpolitik, auch wenn es der durch demagogische Fragen verführten Masse manchmal so scheint. Nie werden wir ein Recht aufgeben, nie werden wir eine obere Grenze für die prozentuelle Beteiligung an der Bevölkerungszahl in Palästina anerkennen, nie werden wir unsere Ideale geographisch begrenzen. Nicht unsere Tagträume, nicht die Formulierungen werden entscheiden, wie groß und wie stark unser Nationalheim sein wird. Wir können nicht mit einem kleinen Einsatz den Haupttreffer einer Lotterie gewinnen und uns auch nicht auf die Hilfe anderer verlassen, sondern nur auf unsere eigene Kraft und auf die eigene Leistung. Unsere treibende Kraft ist die verantwortliche Sorge um die Verwirklichung unseres Ideals. Die Arbeiterschaft hat es verstanden, diese verantwortliche Sorge mit ihrem persönlichen Schicksal und der persönlichen Leistung zu verknüpfen. Darum gehören ihr unsere Sympathien. Im übrigen stehen wir auf dem wiederholt gekennzeichneten Standpunkte, daß unsere Wirtschaftspolitik nationalem oder privatem Kapital in gleicher Weise Aufgaben zuweist und daß alle arbeitswilligen Kräfte des jüdischen Volkes zum Aufbau einer Wirtschaft heranzuziehen sind, in der es keine Ausbeutung geben soll. Es ist eine Überschätzung, wenn die Politik zur Voraussetzung der Arbeit gestempelt wird, die wir zu allen Zeiten, auch vor der Balfour-Deklaration, unternehmen konnten und niemals unterbrechen wollen. Wir werden durch wirtschaftliche und kulturelle Tatsachen einen bedeutsamen Faktor zur Politik beitragen. Die Unterbrechung der Arbeit vor Erlangung gewisser Bedingungen wäre ein Verbrechen, von dem ich nie verstehen werde, daß es auch nur diskutiert werden konnte. Natürlich muß eine entschieden, aber auch vorsichtig geführte reale und würdige Politik für die Sicherung unserer Arbeit sorgen. Worin soll unsere Politik bestehen? Berauschen wir uns doch nicht an demagogischen Formulierungen! Erfreulicherweise hörten wir von Jabotinsky nichts von den abenteuerlichen Plänen irregeleiteter Menschen, wie sie in letzter Zeit