Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben Gurion, Reiss, Bernstein 281 lieh die Juden in Palästina? (STRICKER: Sehr richtig!) Selbst wenn wir uns darüber nicht aussprechen wollten, müßten wir es doch tun, da wir durch unser Stillschweigen die reduzierten Zielsetzungen akzeptieren würden, die uns von außen her aufgedrängt werden. Überdies ist zum Taktischen folgendes zu bemerken: Unsere Vorsicht, diese Ziele auszusprechen, hat keine andere "Wirkung, als daß wir von Seiten unserer Gegner den vollen Widerstand einkassieren, den wir zu erwarten haben, wenn wir sie aussprechen, während wir auf der anderen Seite alle Nachteile auf uns nehmen, die in der Tatsache liegen, daß wir sie nicht aussprechen. Zur Verteidigung des Nichtaussprechens wurde hier eine Philosophie der Politik eingeführt, die auf einer Analogie beruht, die für uns nicht zutrifft. Unsere Befreiungsbewegung unterscheidet sich von denjenigen aller anderen Völker dadurch, daß alle anderen Völker, die einen Nationalismus haben, in ihrem Lande sitzen und deswegen ihre Chancen abwarten können; sie brauchen keine Propaganda zu führen, denn wenn der Augenblick gekommen ist, ist das Volk da. Deshalb brauchen sie nicht über ihre Ziele zu sprechen. Wir müssen aber versuchen, erst dahin zu gelangen, wo all diese Völker, die Tschechen, die Polen und die anderen schon sind, und darum müssen wir unsere Ziele aussprechen. Es handelt sich bei uns erst um die V olkskonzentration, und ob wir frei werden können oder nicht, hängt davon ab, ob wir diese Volkskonzentration erreichen können oder nicht. Diese Ziele müssen deutlich vor unseren Augen stehen. Es handelt sich nicht um etwas, das man nach den Bedürfnissen des Tages einrichten kann, sondern um ein Minimum, von dem es ein Entweder — Oder gibt: entweder man bekommt es oder man bekommt es nicht. Eine zweite Frage, die ich besprechen möchte, ist hier in der Debatte überhaupt noch nicht angeschnitten worden, obwohl sie wahrscheinlich die wichtigste Frage des Kongresses ist. Es geht hier in diesem Kongreß ein Gespenst um — die Finanzfrage. Wir haben zum Geld eine merkwürdig zwiespältige Einstellung: einerseits haben wir die größte Gleichgültigkeit und Verachtung für alles Geld, •das wir schuldig sind, andererseits haben wir eine abgöttische Verehrung für alles Geld, das wir bekommen möchten (Heiterkeit und Beifall), und täuschen uns darum über die Rolle, die das Geld für uns spielen kann. Sogar Prof. Weizmann hat in seiner einleitenden Rede die naive Auffassung verkündet, daß es uns an dem goldenen Schlüssel gefehlt hat und daß wir in Palästina viel mehr hätten tun können, wenn wir mehr Geld gehabt hätten. Man muß auch wissen, wie der Schlüssel anzuwenden ist. Wenn man es nicht weiß, so kann der goldene Schlüssel noch zum Fluch werden und dem Besitzer zum Verderben gereichen (Beifall). Ich will keine ketzerische Meinung verkünden: Wenn der Keren Hajessod in den verstrichenen zehn Jahren das Doppelte von dem aufgebracht hätte, was er aufgebracht hat — und das ist keine Kleinigkeit — glauben Sie denn, daß wir jetzt in Palästina das Doppelte besäßen? Nein, die Folge davon wäre gewesen, daß wir wahrscheinlich schon vor drei oder vier Jahren — das ist nicht leicht zu errechnen — vor einer viel größeren Katastrophe gestanden hätten, als wir jetzt stehen. Denn wir haben das Geld, das ein Segen sein kann, nicht gut verwendet. Wenn wir mehr Geld hätten, hätte man mehr Punkte aufgebaut, die nicht aus eigener Kraft bestehen können, und so wären in noch größerem Maße laufende Mittel nötig gewesen, um diese Punkte zu erhalten. Ich wende mich gegen die Annahme, daß unsere jetzigen Schwierigkeiten in der Hauptsache auf der allge-