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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 277

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 277 (sequence 280)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Grünbaum *77 U., sie wird verschickt ins kalte Sibirien, auf die Inseln des Weißen Meeres, in •die glühenden Wüsten von Turkestan wie einst die Revolutionäre von den zaristischen Regierungen. Und der Faden der zionistischen Bewegung wird nicht durchschnitten, sondern spinnt sich fort trotz allem. Der Zionismus in Rußland war immer ein Märtyrer-Zionismus, in den zaristischen Zeiten wie jetzt. Und von dieser Tribüne entbieten wir unseren leidenden und verfolgten Freunden in Sowjetrußland unsere tiefsten und wärmsten Brudergrüße (Stürmischer Betfall). Mögen sie daraus Trost schöpfen und Kraft, weiter zu gehen ihren Märtyrerweg. Wir werden sie noch treffen auf dem Wege zur Befreiung, zur vollständigen Wiederbelebung des jüdischen Volkes. Und •schon heute begegnen wir einander, es befreien sich aus den Kerkern der Sowjets Menschen voller Kraft und Opferbereitschaft, die sich in die Reihen jener stellen, die die nationale Freiheit des jüdischen Volkes schmieden. Und noch in einem Lande hat sich eine Revolution ereignet, in Spanien. Die Revolution hatte dort mit den Juden nichts zu tun. Das Mittelalter hat dafür gesorgt, daß in Spanien keine Juden mehr vorhanden waren. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Juden aus Spanien vertrieben. Dann kam noch der Massenterror hinzu, in den blutigsten und schrecklichsten Formen, in den Formen von Inquisitionen und Autodafes, die die Juden aus diesem Lande ganz ausrotteten. Und mit Befriedigung konstatieren wir, daß in diesem Lande der Finsternis, der Grausamkeit ein Licht aufleuchtet. Die revolutionäre Regierung hat verstanden, daß sie die Schmach des 15. Jahrhunderts in Bezug auf die Juden austilgen muß. Wir müssen hierbei eine Erscheinung unterstreichen, auf die wir im Laufe der Zeit wahrscheinlich werden zurückkommen müssen. Gewisse Formen, in denen der revolutionäre Sturm zum Ausdruck kommt, erwecken in den christlichen, insbesondere in den katholischen Massen Erregung. Und es wird schon eine Legende geschaffen: das ist die jüdische Rache. So sagte man in Bezug auf Rußland, so wird man sagen und sagt man schon jetzt in Bezug auf Spanien. Und wir müssen es wagen zu sagen, daß hierin eine gewisse Wahrheit liegt (Beifall). Selbstverständlich wäre es lächerlich, dies buchstäblich zu nehmen; es ist eine Rache der Geschichte. Die Verfolgungen der Juden in ihren blutigsten und schändlichsten Formen haben im Laufe der Zeit Schmerz und Leiden, Haß und Grausamkeit angehäuft. So war es in Rußland, so ist es auch in Spanien. Die Verbrennung der Klöster ist wie ein später Feuerschein der Autodafes. Und dort, wo sich keine Revolutionen ereignet haben, wie sieht es dort aus? Ich will vor allem über die Länder sprechen, die sich vom Baltischen bis zum Schwarzen Meer hinziehen. Dort wohnen etwa sechs Millionen Juden. Dort entwickeln sich dieselben Prozesse. Da sich aber keine Revolution ereignet, kommen sie auf evolutionärem Wege zum Ausdruck. Aber die Juden werden verdrängt und verstoßen. Neue Schichten der lokalen Bevölkerungen nehmen den Juden ihre Beschäftigung und ihre Existenzquellen weg. Sie haben die Macht der Regierung, die Macht des Gesetzes hinter sich. Und die Juden werden verdrängt, denn die Konkurrenz ist beschränkt, ihre Konkurrenzfähigkeit gebrochen und geschwächt. So entsteht eine immer größere Masse von „überflüssigen" Juden, die nicht wissen, wohin sie gehen, was sie tun sollen. Das kleine Städtchen hat einst im jüdischen Leben die Rolle des Dorfes im nichtjüdischen Leben gespielt. Einst kamen aus dem Städtchen die besten und gesündesten jüdischen Typen und Talente.

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