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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 273

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 273 (sequence 276)
Language
German, English, Hebrew
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Grünbaum 275 Dazu haben die Regierungen Polizei und Militär, und nach dem Kriege haben sie genaue Vorschriften ausgearbeitet, wie die Ruhe im Lande zu schützen und jeder Aufruhr zu ersticken sei. Diese Vorschriften und Regeln versagen nie, wenn es sich um Aufruhr handelt. Aber in ganz unverständlicher Weise versagen sie viel zu oft dann, wenn es sich um Juden handelt. Dann kommt man zu spät, dann war man nicht unterrichtet, was geschehen würde, dann war man nicht vorbereitet, dann hat man zu wenig Polizei, dann kann das Militär nicht einschreiten usw. Das sind ganz eigentümliche Vorwände und Ausreden, aber es ist so. Denn man sagt: Überfälle auf Juden sind fast wie Naturereignisse; in dem Herzen des Nichtjuden glimmt das Feuer des Hasses gegen den Juden, bei der ersten Gelegenheit bricht es unerwartet hervor und dann werden sie geprügelt, gepeinigt, geraubt, gemordet, geplündert, geschändet. Glauben Sie dieser Erklärung nicht, sie ist eine Lüge. Die Ausschreitungen gegen die Juden waren überall mehr oder weniger wohl vorbereitet. Überall ist der Pogrom das Mittel eines Massenterrors, mit dem man bald den jüdischen Widerstand brechen, bald an den Juden ein Exempel statuieren, bald den Mob aufreizen und organisieren, bald die Regierung auf die Probe stellen oder eine Kraftprobe gegen sie anstellen will — und das alles auf unserem Rücken, an unserem Leibe. Glauben Sie keiner dieser Ausreden, die den Pogrom zur „Naturerscheinung" machen. Er ist keine Naturerscheinung, sondern die bewußte Arbeit von Menschen, welche die Juden terrorisieren und auf diese Weise erniedrigen und erdrücken wollen- Wenn wir Juden uns verteidigen oder, noch schlimmer, wenn wir uns für eine Gegenwehr vorbereiten, dann hält man dies für ein Verbrechen. Sehr selten gibt man zu, daß wir auch das heilige Recht haben, uns bei Überfällen zu verteidigen, wenn niemand unser Leben und unsere Ehre, unser Hab und Gut schützt. Dies verübelt man uns, hält es für einen feindseligen Akt, und damit allein gibt man eigentlich zu, daß das Ganze nichts mit einer Erscheinung der menschlichen Natur zu tun hat, sondern mit einem oft planmäßigen Massenterror, gegen den man die Juden schutzlos und nicht geschützt haben will. Unsere Väter und wir selbst meinten, Pogrome seien Erscheinungen, die mit einer bestimmten Ordnung, derjenigen im zaristischen Rußland, verbunden seien, mit niedriger Kulturstufe, mit Wildheit und dergl. Und wir sagten uns: Die Zivilisation wird sich entwikkeln, die Kultur wird höher, die Ordnung besser werden und der Pogrom wird verschwinden. Aber nach dem Krieg mußten wir uns überzeugen, daß all das Illusion war. Die Wirklichkeit hat bewiesen, daß man auch in Berlin und an der Wiener Universität Juden prügeln kann. Wenn es unruhig wird und man sich wie auf einem Vulkan fühlt, dann macht man überall die Juden zum Sündenbock. Nirgends sind wir sicher, besonders nicht in Osteuropa, wo das Gleichgewicht noch nicht festgestellt ist, wo jeder Tag neue Änderungen bringen kann. Die Schaffung von Sicherheit für unser Leben und unsere Ehre, für unser Hab und Gut ist eines der Probleme unseres jüdischen Lebens, auf die es keine Antwort gibt, außer daß wir keinen einzigen Fall von Angriffen auf Juden ohne Protest vorübergehen lassen werden, daß wir uns durch keine Rücksichten hindern lassen zu protestieren und keine Gelegenheit außer acht lassen werden, unter den jüdischen Massen den Gedanken zu verbreiten, daß diese Generation sich nicht wie unsere Vorfahren abschlachten lassen, sondern daß sie sich selbst verteidigen wird, wenn niemand ihr Leben und ihre Ehre sichert (Beifall). Die Entwicklung nach dem Kriege hat es dazu gebracht, daß die Hoffnun- 18

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