Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 263)
- Language
- German, English, Hebrew
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z6o 10. Kongreß-Sitzung: Herzl- und Totenfeier mit der gleichen Energie sich zu widmen vermochten. Vielleicht hätte Herz! gerade die Tatsache, wie wir seinen Tod aufgenommen haben, vielleicht hätte diese Kundgebung ihn doch etwas befriedigt. Welcher Verlust für das große und schwere Ideal dieser Tod war, haben unsere Feinde wohl nicht weniger als wir empfunden. Zuerst waren sie auch etwas erschüttert und vielleicht peinlich berührt durch Erinnerungen an eigene Handlungen gegen diesen einzigartigen Juden, dessen Größe sie kaum geahnt hatten. Bald aber kehrte in diesen Reihen die kleinliche Beziehung zu dem von Herzl unternommenen Riesenkampf wieder und machte sich in unverhohlenen Ausdrücken der Befriedigung darüber Luft, daß der gefährliche und unermüdliche jüdische Revolutionär sie bei den Fleischtöpfen Ägyptens nicht mehr störte- Manche von ihnen glaubten, daß unsere Bewegung mit ihm zugrunde gegangen sei, und in dem wiederum frei aufatmenden Feindeslager hoffte man, daß diese Verzweiflungsstimmung des ersten Momentes dem Zionismus den Todesstoß versetzt habe. Unsere Feinde sind bald bitter enttäuscht worden. Wenn sich aber unser Schmerz um Herzl erneuert, so ist es eben nur deswegen, daß er nicht das Stadium unserer Bewegung erlebt hat, welches wir seit 14 Jahren durchmachen, daß er nicht eine Zeit sieht und gestaltet, welche die Erfüllung seiner politischen Konstellation in sich trägt, die er mit Seherblick richtig vorausgesehen hat, die Zeit, da die Völker die Idee des Rechtes jeder Nation auf ein Land und damit auch das Recht unseres Volkstums anerkennen würden, die Zeit, da das Schicksal des jüdischen Palästina von dem größten Kulturstaat, von England, abhängig: sein würde. Sie wissen alle, daß Herzl immer von neuem England in das Zentrumder Durchführung seiner großen und kleinen Pläne setzte, wie er selbst die jüdische Company als eine englische Gesellschaft sich vorstellte und das spätere Echo seiner großen Absichten, den Jewish Colonial Trust, an England anlehnte. "Wir haben später herrliche Erinnerungen, die mit England verbunden sind, Erinnerungen, die leider durch die neueste Epoche schwer getrübt sind. Seit zwei Jahren erheben wir fortwährend Beschwerden und mit Recht dagegen, daß die englischen Machtfaktoren unsere Tätigkeit in Palästina stark hemmen und unsere jüdischen Massen durch Zulassung von Exzessen und durch Möglichkeiten von Exzessen, sowie durch die ständige Diskutierung der Grenzen unseres Rechtes auf Palästina in die schlimmste Stimmung und Situation versetzen, wir haben also ausreichend Beschwerden gegenüber dem mächtigen England- Allein vergleiche man auch den jetzigen tragischen Zeitpunkt mit den Erlebnissen Herzls zur Zeit der Türkenherrschaft, dann wird man verstehen, wie die Epochen sich unterscheiden. Ich will gar nicht davon sprechen, welche Bedeutung der Umstand hat, daß die jüdischen Vertreter formell und fast als gleiche Partner in einer Reihe von Sitzungen mit dem von der englischen Regierung eingesetzten Komitee von Ministern die auf Palästina und die Zukunft dieses Landes sich beziehenden Probleme behandelt haben. Ich will auf ein anderes Moment hinweisen, das die Beziehung der englischen öffentlichen Meinung zu dem jüdischen Volke mehr als irgend etwas charakterisiert. Ich meine die Unterhausdebatte über Palästina,, die im November 1930 stattgefunden hat. Ich habe als Zuhörer diese sieben - stündigen Verhandlungen sehr aufmerksam verfolgt, und obwohl mit manchen Äußerungen unzufrieden, war ich als Jude von dem, was ich hintereinander in diesem Hause vernahm, wohltuend berührt. Bedenken Sie, daß die Debatte in eine Zeit fällt, in der uns überall eine Feindseligkeit umgibt, wie sie schon seit