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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 259

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 259 (sequence 262)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Motzkin Sehr geehrter Kongreß! Man hat oft über die Tragik des Lebens Herzls bedauernde und schöne Worte gebraucht. Spricht man aber von dieser Tragik, so soll davon nicht die Rede sein, daß er durch seine Selbstaufopferung sich physisch und sonst ruiniert hat, daß sein Leben an seinem Werk verbrannt ist. Dies war gerade die schönste Seite seines Lebens, daß er einen solchen Inhalt dafür gefunden hatte, daß er sein Leben an seinem Werk verbrennen konnte. Denn in diesem Sinne war er ein Glücklicher, ein Schöpfer, der sein Leben durch die letzten acht Jahre infolge einer unerhörten Intensität des Willens und des Fühlens vervielfacht hat. Damit ist die Rechnung, daß er sein Leben selbst um Jahrzehnte verkürzt hat, ausgeglichen. Er hat in acht Jahren mehr gelebt als andere in zehnmal acht Jahren. Wenn aber an seinem Dasein so viel Tragisches gewesen ist, so Ist es nur die Tatsache, daß er bestimmte positive Erfolge zu dem Ziel der Be- :siedelung Palästinas durch Juden nicht sah und die Pforten unseres Landes zu einer systematischen Verwirklichung des Zionismus nicht zu öffnen vermochte, sodaß er, trotz seines festen Glaubens an die historische Notwendigkeit des Zionismus und an die Erreichung von Altneuland, sterbend fürchtete, sein Werk könnte selbst von seinen Mitkämpfern zeitweise im Stich gelassen werden. Nur deswegen wollte er noch weiter leben, nur deswegen war ihm der Tod schwer. Wir, seine Zeitgenossen, haben jahrelang nicht gewußt, wie schwer krank Herzl während seiner stärksten Aktivität war, er verhehlte es sowohl zur Zeit der Kongresse als bei seinem sonstigen Auftreten geflissenlich vor uns, damit sein schweres Leiden auf unsere Hoffnungen keinen Schatten fallen lasse. WTenn die zionistische Welt heute mit Recht solche Ehrfurcht vor dem Begriff des jüdischen Chaluz hat und wenn wir uns dessen entsinnen, was eigentlich dieser Ausdruck bedeutet, daß damit ein Zionist bezeichnet wird, der sich voll und ganz, mit seiner ganzen physischen und seelischen Kraft, rücksichtslos auf sein Selbst, nur im Interesse der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina seiner Arbeit hingibt und auf das große Ziel lossteuert, dann gehört gerade Herzl zu dieser Kategorie, denn er war der größte Chaluz, der jüdische Held der Neuzeit, der so in die jüdische Geschichte als der Stifter der schönsten Epoche eingeht. Den Ruf des Helden hat er sich durch Taten und Opfer und Kühnheit und Schöpferkraft erworben. Mehr als was er erreichte (auch dies ist sehr viel), bleibt dauernd das, was er gewollt und wozu er sich erkühnt hat. Siebenundzwanzig Jahre sind vergangen, seit wir den größten Schmerz erlebten, den Schmerz, Herzl zu verlieren. So kam die Empfindung dafür, was wir an ihm besessen hatten, erst an jenem schweren Julitag in voller Kraft zum Durchbruch, als er uns entrissen war. Als Herzl starb, war für Hunderttausende von Juden der Schmerz unfaßbar, und für viele, und das werden mir manche Freunde bezeugen, der Lebensfaden wie zerrissen. Was ich damit sage, ist unvergleichlich weniger, als was wir in der Wirklichkeit gefühlt haben- Ich kann die Zahl derer, •die der große Schmerz damals traf, nicht abschätzen und möchte auch aus Rücksicht auf das hehre Wesen des Toten diese Zahl nicht übertreiben, aber die Intensität dieses Schmerzes kenne ich. Für eine ganze Welt von Männern und Frauen, die ihr Leben der Wiederherstellung des jüdischen Volkes in Erez Israel weihten und weiter widmen wollten, war der Tod Herzls wie der Zusammensturz eines großen Reiches, wie der plötzliche Zerfall eines hohen Kulturvolkes, wie das Zusammensinken einer erhabenen Idee, und es hat langer, langer Zeit bedurft, bis sie erkannten, daß Herzl gar nicht gestorben war, und daß sie seinem Werke 17*

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