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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 258

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 258 (sequence 261)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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258 10. Kongreß-Sitzung: Herzl- und Totenfeier der erfährt es auch aus seinen Tagebüchern, wie einer seiner Freunde weinte, als Herzl ihm den Judenstaat vorgelesen hatte, und deswegen weinte, weil er glaubte, daß Herzl wahnsinnig geworden sei. Wir aber haben diesen Prozeß in seinem Anfangsstadium und in seiner Weiterentwicklung beobachtet bis zu der Zeit, da aus dem königlichen Kämpfer nach acht großen und unvergeßlich intensiven Jahren nur noch ein leidender Jude wurde. So oft wir seiner gedenken, können wir nicht still an jener erschütternden Erzählung vorübergehen, in der er berichtet, in welcher seelischen Verfassung er seine Denkschrift über den Judenstaat geschrieben hat, wie er unausgesetzt über seinem Haupte Adlersflügel habe rauschen hören, als die historische Arbeit ihn gepackt hatte; und diese Ergebenheit, die gleichzeitig eine grenzenlose Selbstaufopferung und eine Schlichtheit, die uns noch heute beherrscht, umfaßte, war das Charakteristische seiner ganzen Tätigkeit vom ersten Moment an. Heute wissen wir es schon alle, daß sein ganzes Leben vom Beginn seines Eintritts in die zionistische Bewegung von Tragik erfüllt war. Wie sagte er doch selbst einmal: „Für Sie gibt es im Laufe des Jahres eine Reihe von jüdischen Feiertagen, für mich gibt es nur einen einzigen Jörn tow, den Kongreß." Da kann ich es mir nicht versagen, daran zu erinnern, wie er auf dieser Tribüne stand. Wenn er da von einem Meer von Liebe und Bewunderung, von echter Liebe und echter Bewunderung umbraust, eine äußerlich und innerlich majestätische Gestalt, auf den durch einen Beifallsorkan tosenden und sich nicht beruhigenden Kongreß hinabschaute, da konnte man schauen, wie er unbewegt die sich abspielenden Szenen beobachtete, voll tiefer Trauer, offenbar im Bewußtsein der ganzen Schwere des Schicksals, der Mission, die er sich erwählt hatte. Wohl hatte er die lebendigsten Teile im Judentum aufgerüttelt, wohl hatte er durch eine kühne und schwere Anstrengung die Tribüne geschaffen und in die damals noch völlig unzugängliche Welt die große Wahrheit des jüdischen Martyriums und der jüdischen Frage hinausposaunt, wohl hatte er eine Reihe von konkreten Instituten ins Leben gerufen und aus dem Nichts, jedenfalls aus einem organisatorischen Nichts, neue Formen und große Leistungen hervorgezaubert, wohl hatte er in das jüdische Nationalbewußtsein erst Wirklichkeit und Bewegung hineingebracht und damit Hunderttausenden stolzes Glück und Millionen Hoffnung gewährt, aber Jahre hindurch zehrte es an ihm, daß er dem eigentlichen Ziel nicht näherkam. Lesen Sie das wunderbare Dokument, die Tagebücher Herzls, die man ungeachtet mancher Naivität erst dann richtig versteht und schmerzlich miterlebt, wenn man die Fülle der darin erwähnten Einzelheiten ohnehin aus anderen Quellen kennt. Blatt für Blatt in diesem Dokument zeugt davon, wie schwer dieser Führer gelitten hat und wie groß er in seinem Leiden war. Fortwährend hören wir von ihm selbst, wie er in seinem Streben nach der Erlangung des Zieles, nach der Erlangung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte, eine Niederlage nach der anderen erfuhr, nicht persönlich, sondern sachlich. Denn darin gerade lag ja das Schmerzliche, daß er alle diese Audienzen mit regierenden Personen — und damals, in einer undemokratischen Welt, waren sogar Audienzen sehr schwer ~ mit großen Politikern, bedeutenden Persönlichkeiten, daß er alle diese Aufnahmen in verschiedenen Gesellschaften und einflußreichen Kreisen nicht dadurch erreichte, daß unsere Organisation bereits anerkannt war, sondern wegen der persönlichen Kraft, die ihm bei der Behandlung unserer Idee zur Verfügung stand, sodaß sein Charme noch jetzt denen unvergeßlich ist, die in der internationalen Welt auf ihn gestoßen waren.

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