Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 260)
- Language
- German, English, Hebrew
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Motzkin 2)7 täuscht. Auch er hat die Herzen der Armen und selten die finanziellen Möglichkeiten der Reichen gewonnen. Die Milliarde, die er noch in seinem Judenstaat von den großen einflußreichen Männern des jüdischen Volkes erwartet hatte, ist auch nach den Kongressen nicht gekommen. Allein wie sehr die von ihm ausgegebenen Losungen wenigstens die unteren Klassen bewegt und aufgewühlt haben, will ich neben den allgemein bekannten Tatsachen durch eine persönliche Reminiszenz bekräftigen, die aus der Zeit kurz vor dem ersten Kongreß stammt. Wie Sie wissen, besaßen wir auch schon 1897 eine Anzahl von jüdischen Kolonien in Palästina — das Wort Erez Israel haben wir erst später zu gebrauchen begonnen — und es gab schon zu jener Zeit eine bescheidene Anzahl jüdischer Arbeiter in Palästina, welche Anlaß zur ersten „Arbeiterfrage" in unserem Lande gab. Zwecks Stärkung der in Palästina zu jener Zeit vorhandenen Siedlungen und Ermöglichung weiterer Kolonisation tauchte darum damals der Gedanke auf, der auch jetzt so aktuell ist, eine jüdische Agrarbank zu schaffen. Einige aktive Zionisten und Chowewe Zion — damals wurden diese Begriffe oft vermischt — behandelten kurz vor dem ersten Zionistenkongreß in Berlin die Frage, wie dieses Projekt zu verwirklichen sei, und wir, Hildesheimer, Bambus, Achad Haam, ich und noch einer, vielleicht Heinrich Loewe oder ein anderer, befaßten uns in zwTei Beratungen mit dem Problem, eine Million Francs für diese Agrarbank zu beschaffen. Von Paris aus — ich kann nicht mehr feststellen, ob von der Ica oder von dem generösen Rothschild, wahrscheinlich von letzterem — war uns die Mitteilung zugekommen, daß von dort aus eine halbe Million Francs (20.000 Pfund) zur Verfügung stehe, wenn wir in einigen Ländern die andere Hälfte zu beschaffen imstande seien. Da wir die Judenheiten Europas nach ihren Verhältnissen einigermaßen kannten, legten wir uns ernstlich die Frage vor, ob die Erfüllung dieser Absicht möglich sei- Wir verteilten die Beträge über Deutschland, Holland, Österreich und Rußland und kamen zum Schluß, daß das russische Judentum 200.000 Francs aufbringen müsse. Kein geringerer als Achad Haam erhob sich darauf und erklärte, daß eine solche Forderung an das russische Judentum unrealisierbar sei, und als wir sahen, wie sehr er von seinen Worten überzeugt war, nahmen wir es ihm nicht übel und waren sehr traurig. ZwTei Jahre später, obschon in den Verhältnissen der Juden keine wesentliche Änderung eingetreten war, obschon die Türkei jede Einwanderung von Juden nach Palästina untersagte, also ohne den geringsten äußeren Anlaß, nur wegen der großen Parolen und Ideen, nur wegen der Aufrollung der Fahne „Lösung der Judenfrage durch Erez Israel" hat Theodor Herzl aus demselben russischen Judentum für die Jüdische Kolonialbank zwanzigmal soviel herausgebracht, wie wTir damals in Berlin für die Agrarbank gefordert hatten. Wir älteren Zionisten haben uns auch stets zu vergegenwärtigen, welche Wendung wir selbst, die wir schon jahrelang vorher gearbeitet hatten, durchmachten, als Herzl erschien. Gestatten Sie mir, Ihnen eine Intimität zu berichten. Wenn wir, die Männer und Frauen des ersten Kongresses, einmal im engen Kreise zusammenkommen, dann reden wir über ihn viel begeisterter, als wir es jemals in Versammlungen tun und tun können. Denn er ist ein Teil unserer heiligsten Empfindungen geworden. Dann gedenken wir dessen, wie es mit Herzl stand, als er zu uns kam, ein blühender Mensch, ein völlig Fremder, aus einem Kreis, der ihn mit aller Gewalt zurückzuhalten versuchte, als er sich der „unsinnigen" Bewegung von Träumern anzuschließen begann und sie in die Hand nahm. Ein jei/