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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 256

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 256 (sequence 259)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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io. Kongreß-Sitzung: Herzl- und Totenfeier wir nicht, daß in einem Teile Europas die jüdischen Massen entrechtet, schikaniert und hin und wieder auch pogromiert waren. Verglichen indes mit der heutigen Situation von Millionen Juden Europas waren die damaligen Zustände ein Idyll, vor allem auch deswegen, weil unserem Volke die Tore der Welt offenstanden und man die Tragik des Nichtwandernkönnens nicht kannte. Der Antisemitismus selbst hatte noch vornehme Allüren und war mehr ein ideologisches Streben, weit entfernt von dem Charakter, den er heute angenommen hat, weit entfernt von einer systematischen Untergrabung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden, weit entfernt davon, unsere Jugend in ganz normaler Zeit permanenten physischen Überfällen und außerordentlichen Demütigungen seitens ihrer eigenen Kameraden auszusetzen. Wann haben wir in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts eine solche unerträgliche offene Feindseligkeit zu erdulden gehabt, wie es jetzt in zahlreichen Ländern Europas der Fall ist? Gewiß soll zugegeben werden, daß die Erscheinung des Antisemitismus Herzl den letzten Anstoß gegeben und einen Teil des historischen Inhalts des Kongresses ausgemacht hat. Aus seinen eigenen Tagebüchern ersehen wir aber, daß Herzl schon sehr früh sich mit der Judenfrage beschäftigt und sich schon etwa 15 Jahre früher, zu Anfang der Achtzigerjahre, das Problem gestellt hat. Es ist wahr, daß der Mann, von dem Nordau einmal, als ihm ein bekannter Schriftsteller zurief, Herzl sei in der Judenfrage zu empfindlich, zu feinfühlig, erwiderte: Ja, darin besteht ja. seine Größe! — Es ist wahr, daß dieser Mann vom Dreyfuß-Prozeß den letzten Anstoß erhalten hat: aber nicht sich mit dem Problem zu beschäftigen, sondern zu seiner stolzen und endgültigen Lösung. Als Herzl zu seinem Volk, d. h. zu seinem historischen Ich zurückkam, ging er darauf aus, aus dem Judentum eine Kraft internationaler Geltung und aus dem Kongreß das dazu erforderliche Instrument zu machen. Herzl hat uns zum ersten Mal nicht im Sinne der Verteidigung, sondern des Rechtsanspruches in die Familie der Nationen eingeführt, er hat uns als Ankläger gegen die Kulturwelt vertreten und dieser Kulturwelt unsere legitimen Forderungen auf nationales Dasein und das historische Land am Mittelmeer dargelegt. Und so brachte fast jeder Kongreß eine neue Schöpfung: Zuerst die internationale Tribüne selbst, dann die demokratische Organisation der Juden verschiedenster Länder, dann ein Instrument für die finanziellen Nöte des Palästinaaufbaus, die Kolonialbank, dann das große Werk des Nationalfonds mit seiner hohen sozialen Idee, alles zu einer Zeit, da die Wanderung an sich zu solchen konkreten Schritten nicht zwang, alles zu einer Zeit, da noch nicht für Hunderttausende von uns die erdrückende Frage dastand: wohin? Daß Herzl und Nordau nicht die Frage des individuellen Juden, sondern des Volkstums, der historischen Kollektivität so tief sahen, daß sie weniger durch die Umschau als durch die Rück- und Vorschau das Schicksal des jüdischen Volkes begriffen und zu einer Zeit verhältnismäßiger Ruhe die größte Anstrengung zur Lösung des Problems im Sinne einer territorialen Konzentration in Erez Israel machten, dies war prophetische Vorsorge. Und ebenso wie Herzl das Judentum tief analysierte, so verstand er auch, daß große Losungen, große Aufgaben auch große Resultate zur Folge haben werden. Mit der unzweideutigen Aufrollung der Judenfrage und der Aufstellung einer klaren Lösung dieses Problems führte er unsere Frage in den Bereich der großen internationalen Welt und ihrer hervorragendsten Bewegungen ein. Auch Herzl hat sich mit Bezug auf die Antwort der Juden teilweise ge-

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