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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 255

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 255 (sequence 258)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Motzkin 255 dies eine neue Illustration zu dem hinzufügen, was Herzl selbst in massenhaften und schroffen Zuschriften und Protesten entgegnet wurde, als er mit seinem kühnen Appell die ganze jüdische Welt in Bewegung setzte und Begeisterung und Sturm zugleich hervorrief. Wenn heute ein Zionistenkongreß angekündigt wird, erträgt es schon das gesamte offizielle Judentum bald mit Sympathie, bald wenigstens mit Anstand, und meist sieht sich die Gemeinde, in deren Mauern der Kongreß stattfindet, veranlaßt, uns warm zu begrüßen. Damals aber war es so, daß nur die jüdischen Massen voll Erwartung und Hoffnung aufhorchten, während die einflußreichen Juden Proteste über Proteste erhoben, darunter leider auch sehr viele Rabbiner. Von da stammt ja der Nordau'sche Ausdruck „Protestrabbiner", der neuerdings ja zu unserer Freude abgekommen ist. Wie kam es aber, daß das Unterfangen Herzls einen solchen Sturm in Berlin, wie in Frankfurt, in Petersburg wie in Wien hervorrief? Was war der Kongreß? Das eben ist es ja, daß es nicht einfach ein Kongreß von Juden war, die Palästina vermittelst neuer jüdischer Siedlungen aufbauen wollten; es war ein Kongreß, der einen Protest gegen die ganze Menschheit erhob, und darin bestand seine Größe, darin bestand sein Feuer, das von Basel nach den Ländern der großen jüdischen Massen und des großen jüdischen Elends sich hinüberpflanzte. Wir Juden sind leider ein Volk, das in der ganzen Geschichte immer von Zeit zu Zeit gezwungen wird, Prozesse zu führen, meist solche tieftrauriger und manchmal entwürdigender Natur, Prozesse, in denen die Tragik unseres Schicksals und unseres Zustandes eines vogelfreien Volkes zum Ausdruck kommt, ich meine Pogromprozesse, und solche, die in sich einen entwürdigenden Inhalt haben wie Ritualmordprozesse, und einen großen Teil dieser Erlebnisse kenne ich als Nahestehender aus eigener Erfahrung, wobei ich die ganzen Bitternisse unseres historischen Schicksals gründlich kennengelernt habe. Was waren nun aber alle diese Anklagen, die man gegen uns erhob, oder die wir gegen die anderen erhoben, im Vergleich zu der gewaltigen Anklage des ersten Kongresses! Kein Prozeß war so schwierig wie der, den Herzl mit unvergleichlicher Naivität und bewundernswertem Mut begann. Was ein Heß, ein Pinsker und andere vor ihm von den eigenen Brüdern gefordert hatten, mit diesem ungeheuren Appell wandte er sich zum ersten Male an die gesamte Menschheit, mit der einfachen Frage, die dann die Hauptfrage der weiteren zionistischen Kundgebungen geworden ist, auch wenn sie nicht direkt ausgesprochen wurde: Mit welchem Recht habt ihr, Menschheit, uns unser Land genommen? Mit welchem Recht habt ihr uns gezwungen, von Land zu Land zu wandern, und laßt es zu, daß diese Wanderung verewigt wird, daß das so verfolgte und befehdete jüdische Volkstum immer noch seines eigenen Heims beraubt ist und noch dazu für uns eine Judenfrage konstruiert wird? In einer Zeit, in der viele fortschrittliche Geister endlich anfingen, die Judenfrage menschlich aufzufassen, unser Recht auf Dasein und Entwicklung zu fühlen, war darum die Stimme des ersten Kongresses für Juden und Nichtjuden eine Offenbarung. Getragen war diese Offenbarung von einem Manne, der uns selbst wie ein Wunder vorkam. Niemand aber sage mir, Herzl sei deswegen zu uns gekommen, weil der Antisemitismus damals, 1897, so stark war. Das ist eine Legende. Ich meine die Behauptung, daß gerade zu jener Zeit die Situation des jüdischen Volkes verzweifelt gewesen sei. Was war der Antisemitismus der Neunzigerjahre, was war die Judennot damals im Vergleich zur heutigen Zeit! Gewiß vergessen

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