Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 257)
- Language
- German, English, Hebrew
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^54 io. Kongreß-Sitzung: Herzt- und Totenfeier auch Gefahr laufe, eine billige Redensart vorzubringen, auch bei dieser Gelegenheit nochmals zu betonen, daß wir dank Herzl überhaupt Zionistenkongresse ha-* ben. Ist dies wirklich ein solches Verdienst? In unserer Zeit starker Entwicklung des internationalen Kongreßlebens, in einer Zeit, da jahraus jahrein unzählige Kongresse verschiedener Art, politische, pazifistische, wissenschaftliche, sozialpolitische u. astattfinden, drängt sich die Frage auf, warum die Tatsache der Einberufung eines Zionistenkongresses zur Geschichte gehört. Manche in unserer Mitte werden sich aber der stürmischen Vorgänge im Sommer 1897 erinnern, manche kennen aus eigener Erfahrung zahlreiche Einzelheiten, welche es bezeugen, wie schwer die Aufgabe war, den Zionistenkongreß zu realisieren. Meine Kollegen, die noch aus der Vorherzlzeit stammen, werden sich ebenso wie ich dessen erinnern, daß der einfache Gedanke der Abhaltung eines Zionistenkongresses von uns jahrelang vor Herzls Erscheinen ventiliert worden war und immer von neuem auf unüberwindliche Hindernisse stieß, ehe er durch den unbeugsamen Willen des großen Führers trotz einer ganzen Welt von offiziellen Protesten zur Wirklichkeit wurde, und Sie werden wohl davon gehört oder darüber gelesen haben, wie sich auch diejenigen gegen den zuerst in München geplanten und nachher wegen der dortigen Schikanen nach Basel übertragenen Kongreß gewehrt haben, die berufen waren, die Zionsfahne vor der Welt aufzurollen und in erster Reihe den Kongreß zu schaffen, wie selbst die Chowewe Zion, unter denen zahlreiche Männer dasselbe Streben wie damals Herzl hatten, zu einem großen Teil den Mut zu diesem Kongreß nicht aufbringen konnten. Es gibt noch heute eine ganze Anzahl lebender Zeugen jener Kämpfe, die nicht nur in der Presse oder sonst in der Öffentlichkeit gegen das gefährliche Unternehmen, über die Judenfrage, über deren Lösung und über die Wiedergewinnung Palästinas durch das jüdische Volk in einem der ganzen Welt zugänglichen Kongreß rückhaltslos zu sprechen, mit allen Mitteln ausgefochten wurden- Neben den Feinden Zions zitterten auch viele, darunter hervorragende Freunde des Palästina-Werks, und es wäre ein hochdramatisches Kapitel, wenn diese Diskussionen und seitens befreundeter Kreise zur Verhinderung des Kongresses versuchten Aktionen aufgedeckt würden. Nicht erst beim Auftreten Herzls, sondern schon vorher war gegen den Versuch, aus den Anhängern der Zionsidee eine stark organisierte, über die ganze Welt sich erstreckende Körperschaft zu machen und zu diesem Zweck einen öffentlichen Kongreß einzuberufen, aus der Mitte derer, die in Betracht kamen, der heftigste Widerstand erhoben worden. Es gibt aus jener Zeit zweifellos, zerstreut bei einzelnen Gesinnungsgenossen, noch eine reichhaltige Korrespondenz voller dialektischer Ausführungen gegen das dringende Bedürfnis eines starken politischen Zusammenschlusses, welche uns heute unverständlich wären, welche aber zeigen würden, unter welchen Bedingungen die große zionistische Arbeit aus dem Ghetto in die freie Luft hinausging. Auch ich persönlich hatte vielfach mit diesen Versuchen erfolglos zu tun, und eine Reihe von Briefen und Mitteilungen aus den Jahren 1891 bis 1896, die sich auf dieses Thema beziehen und mich oft genug schwer enttäuschten, könnten hier im Saale Verwunderung und Befremden hervorrufen. Wenn man diese in meinen Händen und im Besitze anderer Gesinnungsgenossen aus jener Zeit befindlichen Materialien hervorholen und zeigen würde, was für Entgegnungen seitens hervorragender jüdischer Persönlichkeiten wir bekamen, als wir in unserem jugendlichen Eifer den Versuch machten, einen solchen Weltkongreß herbeizuführen, dann wird auch.