Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 256)
- Language
- German, English, Hebrew
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Motzkin *53 ganze Gestalt Herzls sei eine Legende, und manchmal dachte ich, wenn diese angebliche Legende nicht mit solchen Tatsachen, nicht mit so feststehenden organisatorischen Schöpfungen und unbestreitbaren realen Umwälzungen in dem ganzen Leben des Judentums verbunden wäre, könnte mancher Geschichtskritiker sich finden, der die Theorie aufstellen würde, daß wir eine Persönlichkeit, die wir stark liebten, mit außerordentlichen Eigenschaften ausgeschmückt und sie für unsere Propaganda emporgehoben und opportunistisch ausgenützt haben. Erlauben Sie mir, verehrter Kongreß, Ihnen zu sagen, daß diese Auffassung, welche indirekt die Echtheit unserer Beziehung zu Herzl in Zweifel setzt, einzelne unter uns, darunter auch den Sprecher, gehindert hat, über Herzl zu sprechen. Ich habe nicht allzu oft an Gedenkfeiern für den großen Juden Herzl teilgenommen, da ich immer die innere Empfindung hatte, daß wir nicht die Worte fanden, um das wiederzugeben, was wir aufs tiefste erlebt haben — und darum handelt es sich. Es schien vielen von uns, als ob wir durch Reden über Herzl, welche doch nur ein Echo waren, unser Innerstes profanierten. Ich weiß nicht, oder vielmehr ich kann es nicht genau bestimmen, was die Erscheinung Herzl war, aber ich weiß einigermaßen, was er für uns war. Wenn ich mir nun auch dessen bewußt bin, daß wir nicht imstande sind, was unsere Seele durch Herzl und die ersten Zionistenkongresse erfüllt hat, so wiederzugeben, daß jeder es voll und ganz glauben kann, möchte ich doch in einem kurzen und präzisen Satz Ihnen folgendes sagen: Für uns, für mich, und ich denke, auch für meine Kollegen, die neben mir sitzen, war Herzl das größte ideelle Erlebnis, vergleichbar nur mit einem einzigen Erlebnis, nämlich mit jenem herrlichen Moment, da wir zum ersten Male das glückliche Bewußtsein hatten, Zionisten geworden zu sein. Es war derselbe Schöpfungsakt, der sich beim ersten Kongreß wiederholte. Viele unter Ihnen sind bereits zionistisch erzogen worden und brauchten nicht erst aus Kämpfen heraus zum Zionismus zu kommen, andere hingegen sind unter dem Druck einer großen zionistischen Propaganda in unsere Reihen gelangt und können darum nicht wissen, was für ein Erlebnis es zu Beginn der Bewegung bedeutete, was für ein Gefühl einen in jener Zeit erfüllte, wenn er Zionist wurde und einen Kampf gegen eine ganze Welt aufnahm. Diejenigen aber, die ähnliche Erlebnisse gehabt haben, werden aus meinem Vergleich den Schluß ziehen können, was Herzl für uns war. Geehrter Kongreß! Als Herzl zu uns kam, zu denen, die bereits vorher jahrelang zionistisch tätig gewesen waren, waren wir zunächst erstaunt und etwas skeptisch gesinnt ihm gegenüber, aber schon nach kurzer Zeit seelisch und ideell beglückt. Die Persönlichkeit Herzls wuchs dann für uns von Kongreß zu Kongreß, und dieser Entwicklungsprozeß, der uns die Zusammenarbeit und das Zusammenkommen mit dem Führer immer mehr zu einem Jörn tow gestaltete, waren nach langen Jahren chaotischer Organisationslosigkeit innerhalb unserer komplizierten Bewegung für uns alle von solch unermeßlicher Bedeutung, weil außen und innen die Notwendigkeit vorlag, Personen an der Spitze zu haben, welche zu enthusiasmieren vermochten, welche uns in einer Zeit völligen Fehlens von Perspektiven doch immer wieder dazu bringen konnten, uns trotz der politischen Wüste fortwährend mit dem Zionismus, mit seiner Begründung,-Verbreitung und mit seiner Konkretisierung wenigstens im jüdischen Leben zu beschäftigen. Die Leistungen Herzls will ich vor einem Auditorium wie dem Zionistenkongreß nicht darlegen, da sie das ABC der zionistischen Schulung geworden sind. Ich kann aber nicht umhin, wenn ich