Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 250)
- Language
- German, English, Hebrew
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T artakower, Berlin 247 nicht entscheidend. Für uns ist die Frage des Programms entscheidend. Unser Programm ist klar und deutlich. Und wenn wir um dieses Programm der Einhaltung der bisherigen politischen Linie, der Annäherung an die arabische Bevölkerung in Erez Israel, und einer großzügigen kolonisatorischen Arbeit in Erez Israel den Kongreß werden konzentrieren können, so kann man eine Koalition schaffen. Bei der Aufbauarbeit müssen vor allem von unserer Seite Anstrengungen gemacht werden- Wir solien aber nicht vergessen, daß es wichtig ist, in welcher Atmosphäre diese Arbeit vor sich geht. Wir brauchen eine Atmosphäre des Verständnisses der ganzen Welt für unsere Bestrebungen in Erez Israel. In der jetzt herrschenden Atmosphäre werden wir unsere Arbeit kaum weiterführen können. Es gab vielleicht eine Zeit, wo man Verständnis für jedes arme und leidende Volk hatte. Heute hat man aber nur Verständnis für Völker, die mit großen Gedanken und großen Bestrebungen auftreten und die durch ihre Arbeit nicht nur für ihr eigenes Volk, sondern auch für die ganze Welt Nutzen bringen können. Wenn wir, die Linken, den Weg beschreiten, den wir die ganze Zeit über eingeschlagen haben, so tun wir dies nicht nur aus innerer Oberzeugung, weil wir Sozialisten sind, sondern weil wir auch überzeugt sind, daß dies der einzige Weg zur Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen ist (Beifall). Wir wollen beweisen, daß unsere Lebensformen nicht auf Phrasen und Proklamationen aufgebaut sind, sondern auf konkreter Arbeit für Freiheit und Gerechtigkeit und ein neues und schöneres Leben. Und wenn Ihr wollt, daß wir aus der Atmosphäre herauskommen, in der wir ersticken, so gibt es nur einen Weg: die Konzentrierung der Massen um eine große Volksanstrengung für den Aufbau der konkreten Positionen und Fortführung des Kampfes auf dem Wege, den die jüdische Arbeiterbewegung in Erez Israel beschritten hat. Einen anderen Weg gibt es nicht (Beifall). RABBI MEIR BERLIN (Misr., Amerika — spricht jüdisch): Der Schwerpunkt unserer Situation besteht darin, daß von einer Seite betont wird, wir seien ein Staat im Werden, daß von der anderen Seite dagegen das Werden betont wird. Wir haben zwei ungeheure Schwierigkeiten: Einerseits wissen wir, daß wir mit unseren Worten und Resolutionen vorsichtig sein müssen, weil wir noch im Werden sind und nicht an Ort und Stelle. Anderseits jedoch muß man, um die Kraft, die Möglichkeit zum Werden zu erhalten, Enthusiasmus im jüdischen Volke erwecken. Diesen Enthusiasmus zu erwecken, muß man das, was man will, in der stärksten und schönsten Form sagen (Beifall). In den letzten Jahren aber haben wir diese Art der Sprache leider verloren. Die Juden haben immer an die Rückkehr nach Erez Israel gedacht, doch es fehlte eine schlagfertige Parole. Da kam das Basler Programm. Jeder interpretierte es durch seine Arbeit. Als die Balfour-Deklaration kam, wußten wir wohl, daß sie nur ein Rahmen sei, der erst ausgefüllt werden müsse, aber ihr Wortlaut stellte uns zufrieden. Der richtigste Weg war es dann, nicht mehr über Politik zu sprechen, sondern sie zu machen. Statt daß die breite jüdische Masse aber praktische Arbeit leistete, damit Politik von den dazu berufenen Personen gemacht werde, wurde eine solche Lage geschaffen, daß jedermann begann, sich mit Politik zu befassen. Die größten Autoritäten der Bewegung und ihre Erklärungen hielten sich jedoch nicht an die einfachen Worte, an denen man interpretieren konnte, sondern sie sagten zu deutlich und zu klar Dinge, mit denen die Massen sich nicht zufriedenstellen konnten. Daher wurden wir eine Bewegung nicht von Politikmachern, sondern von Poli-