Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 245)
- Language
- German, English, Hebrew
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242 Kongreß-Sitzung: Generaldebatte dieser Gelegenheit war Albert Thomas einer derjenigen, die in Überzeugungstreuester Weise, mit demjenigen ethischen Gefühl, von dem er geleitet wird in der Behandlung aller Menschheitsfragen, unsere Sache unterstützt haben. Darin liegt der eine Grund seines Besuches; wir können aber noch einen anderen Grund anführen: "Wir begrüßen Albert Thomas als den größten Repräsentanten der arbeitenden Menschheit. Auf einer Seite steht hier das arbeitende Palästina und auf der anderen das für Palästina arbeitende Volk. Wundern Sie sich nicht, Monsieur Thomas, über den Sturm dieser Begeisterung, erschrecken Sie nicht über das Feuer unserer Kämpfe, Sie werden darin den hohen Grad des Enthusiasmus finden, von dem das ganze jüdische Volk beseelt ist. Hier schlägt das Herz des jüdischen Volkes. Was hier empfunden und gesprochen wird, ist nur ein Echo von dem, was die ganze jüdische Diaspora und ihr Mittelpunkt Palästina denkt und empfindet. Wir blicken zu Ihnen empor als zu einem derjenigen, die an der Spitze der Organisationen der arbeitenden Menschheit stehen. Wir haben bei der Eröffnungssitzung mit großer Aufmerksamkeit dem Brief gelauscht, den Sie uns gesandt haben, und wir werden mit noch größerer Aufmerksamkeit auf Ihre Worte hören (Lebhafter Beifall). ALBERT THOMAS (Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Genf — spricht französisch): Ich bin tief gerührt über den Empfang, den Sie mir mitten in Ihren Beratungen bereitet haben- Ich habe Ihnen am Eröffnungstage durch meinen Mitarbeiter und Freund, Herrn Weaver, ein Begrüßungsschreiben gesandt. Schon zum dritten oder vierten Mal hatte ich mir vorgenommen, zu Ihrem Kongreß zu kommen. Es war mir nicht möglich gewesen. Und nun haben Sie mich heute, auf die Gefahr hin, eine Diskussion zu unterbrechen, die Sie leidenschaftlich erregt, hier empfangen, wahrhaftig, wie Sie, Herr Präsident, soeben gesagt haben, nicht um Ihnen wiederum einen banalen Gruß zu bringen, sondern um mir diesmal zu gestatten, als Freund unter Freunden in Ihrer Mitte zu sein (Beifall). Wie viele Erinnerungen haben Sie erweckt! Wie fern sind sie schon, die vergangenen Tage, wo Ihre Bewegung begann, aus einer bloßen Idee zur Wirklichkeit zu werden! Ich erinnere mich an unsere erste Berührung. Esr war in Bordeaux, die französische Regierung war dort unten. Ich war, neben meinem Freund Marcel Sembat, Delegierter, eine Art Generalsekretär des Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Eines Tages brachte man mir mitten unter den unzähligen Vormittagsbesuchen eine Karte herein, die von Ruthenberg. Ich hatte ihn vormals in der internationalen revolutionären Bewegung kennen gelernt. Er kam, um mir zu sagen: „Jetzt ist der Krieg zwischen allen Völkern entfesselt, jetzt müßt ihr uns helfen, die Befreiung des jüdischen Volkes zu erlangen und die zionistischen Hoffnungen zu verwirklichen." Brauche ich Ihnen zu sagen, daß damals, als wir von unmittelbaren Sorgen für die nationale Verteidigung überhäuft waren, als wir noch nicht einmal davon träumten, was unsere Kriegsziele ein paar Monate später sein würden, die Worte dieses Mannes, der verlangte, der Gedanke an die Befreiung aller Unterdrückten und aller Leidenden müsse uns unaufhörlich erfüllen, dem einen oder' dem andern von uns ein wenig messianisch, ja ein wenig paradox erschienen? Trotzdem empfing ich ihn, hörte ihn an. Die Sorgen des Tages ließen uns nicht locker, aber mit der Zeit, wie der Krieg sich entwickelte, wie das ganze Elend sichtbar wurde und jener Gedanke der völligen Befreiung im Bewußtsein aller