Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 243)
- Language
- German, English, Hebrew
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240 9. Kongreß-Sitzung^ Generaldebatte Office von „Rights and position" hätte jede positive Arbeit fast ganz unmöglich machen können. Ein allgemeines Wort nun über die Einstellung zur englischen Politik: Wir alle in der Politischen Kommission haben ein gutes politisches Seminar durcherlebt, und ich hätte manchem der Redner in dieser Generaldebatte ein Gleiches gewünscht. Wir sollen uns sehr davor hüten, sentimentale Momente in unsere Politik einzuführen. Wir haben Politiker, die von England mit ungeheuren inneren Sentiments sprechen, die heute nicht mehr berechtigt sind, und wir haben Politiker voll von Ressentiments. Beides ist falsch. Wir sollen politisch und nur politisch denken: wir haben keinen Verdacht gegen England, wir haben kein Vertrauen zu England, wir haben keinen Haß gegen England und wir haben keine Liebe zu England. Wir werden England von Fall zu Fall beurteilen nach seinen Taten. Die Zeiten, da die Juden ein Rausch ergriffen hat, wenn man „England" sagte, sind lange vorbei. Aber verfallen wir nicht in das Gegenteil! Die Rede von Dr. Wise war stellenweise von solchen Ressentiments beherrscht, und das hat dem politischen Eindruck dieser Äußerung, die ich sehr gewünscht habe als die Kundgebung eines führenden amerikanischen jüdischen Politikers, etwas Abbruch getan. England ist der auf Jahre hinaus entscheidende Faktor unserer Politik; sprechen wir daher nicht von einer anderen Mandatarmacht oder von einem letzten Experiment, beziehen wir uns zu England als dem zentralen Faktor unserer Politik, aber skeptisch, kühl und nüchtern. Hier spricht man soviel von Realpolitik. Aber man soll auch aus der Realpolitik keine pathetische Legende machen. Wenn Dr. Wise gesagt hat, zwischen der Politik des „Dawar" und der Tonart der Linken herrsche ein fühlbarer Unterschied, so hat er Recht. Ich bin bereit, alles zu akzeptieren, was über die Bedeutung des Faktors England und des Faktors Araber gesagt wird, allem zuzustimmen, was verlangt wird, um ernsthaft das arabische Problem einer Lösung näher zu bringen; aber vergessen Sie doch nicht einen anderen Faktor unserer Realpolitik: die Stimmung und die Meinung des jüdischen Volkes. Unsere Politik spielt auf vielen Instrumenten, aber ich muß unserer Leitung den Vorwurf machen, daß sie auf diesem unserem wichtigsten Instrument zu spielen versäumt oder nicht verstanden hat. Vielleicht sind wir politisch unreif und sentimental. Aber so sind wir nun einmal, und dieser Faktor Jüdisches Volk ist doch die einzige Quelle unserer Macht und politischen Arbeitsfähigkeit, und auf ihn muß unsere Politik in erster Reihe Rücksicht nehmen. Daß sie es nicht getan hat, ist in den Kongreßwahlen zum Ausdruck gekommen. Hüten wir uns in Zukunft vor zwei Dingen in unserer Außenpolitik, vor Parteipolitik und Sentiments. Lernen wir, daß die Stimmung des jüdischen Volkes ein entscheidender Faktor ist, auf den wir Rücksicht nehmen müssen, auch wenn es manchmal bequemer wäre, das nicht zu tun. Die Lage wird schwer bleiben, auch ein Wechsel der Führung wird keine sofortige Besserung bringen, aber schaffen wir eine Führung und eine Politik, die die Einheit des Volkes und der zionistischen Frontstellung repräsentiert (Beifall). VORS. PRÄS. MOTZKIN (hebräisch): Ich habe die große Ehre, dem Kon« greß Herrn Albert Thomas vorzustellen. (Deutsch fortfahrend:) Wir kennen Sie, Monsieur Thomas, seit Jahrzehnten als großen Apostel der Menschlichkeit, des Sozialismus, der Arbeit und des Friedens. Deshalb betrachten wir es nicht als Zu-