Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 242)
- Language
- German, English, Hebrew
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Motzkin, Goldmann 239 VORS. PRÄS. MOTZKIN: Herr Grossmann, für unsere Protokolle bin ich verantwortlich, und wenn etwas in einem Protokoll steht, was nicht richtig ist, dann sehe ich darauf, daß es korrigiert wird. Dr. GOLDMANN (fortfahrend): Das A.C. ist eine Behörde, die in einem großen Gremium tagt, und es sind wohl 40 oder 50 Herren da, welche bestätigen können, daß, als die Frage abgestimmt wurde, ob wir die Einladung annehmen sollen, die Revisionisten nicht dagegen gestimmt haben (GROSSMANN: Das ist eine andere Sache). Ich glaube, es wäre eine verhängnisvolle Politik gewesen, die Einladung nicht anzunehmen. Und als wir in die Verhandlungen gingen, wußten wir, daß eine formelle Zurücknahme nicht möglich war. Aber es war unter den bestehenden Umständen dieser MacDonald-Brief mit seinen vielen Fehlern dasjenige, was zu erreichen möglich war. Ich habe dem Brief Weizmanns in seinem jetzigen Wortlaut nicht zugestimmt. Er hätte lauten müssen: Wir sind teilweise zufrieden, aber wir warten auf die weiteren Verhandlungen. Wir wollen sehen, ob aus dieser Theorie Praxis werden wird, und dann werden wir Vertrauen haben. Man hat leider nicht so gesprochen, und der Kongreß wird dies nachzuholen haben. Dennoch ist der MacDonald-Brief in den letzten Jahren immerhin eines der positivsten Dokumente gewesen, die erzielt worden sind. Aber er hat einen minimalen Wert, wenn er platonisch bleibt. Wir haben nicht gemerkt, daß das Colonial Office den Brief realisiert hat (GROSSMANN: Der Brief ist realisiert worden: Sperrung der Immigration. JABOTINSKY: Der Brief ist realisiert worden: der geprügelte Knabe. GROSSMANN: Was Sie da sagen, ist der Anfang des Unterganges Ihrer Partei). Ich habe leider nicht die Zeit, mit Ihnen zu polemisieren, es sei denn, daß Sie mir eine Stunde Redezeit durchsetzen. Ich bestreite, daß die positiven Seiten des MacDonald-Briefes bereits realisiert sind, und das ist der eigentliche Vorwurf, den wir der englischen Politik zu machen haben. Was ich tisher sagte, war bestimmt, gegen Ihre übertriebene Kritik des MacDonald-Briefes Verwahrung einzulegen. Jetzt aber werden Sie sich beruhigen, denn jetzt werde ich Zwischenrufe von -der anderen Seite zu hören bekommen. Ich muß mich gegen eine andere Form der politischen Betrachtung wenden, die ebenfalls aus parteipolitischen Gesichtspunkten heraus das bisherige Regime allzusehr zu decken bestrebt ist- Dies gilt z. B. von Arlosoroff. Er kämpfte im Aktionskomitee in London dagegen, allzusehr die Frage der Interpretationen und Rechte zu behandeln und lieber ein Arbeitsabkommen für die nächsten Jahre zu treffen. Auch das ist ein falscher Weg der Politik. Arlosoroff hat hier so gesprochen, als ob zwölf Jahre lang nur eine Prestigepolitik um Interpretationen geführt worden wäre, während doch das System Dr. Weizmann Arlosoroff viel näher steht als anderen politischen Konzeptionen. Und wir sind jetzt in dieser schweren Lage, weil eben die anderen, sogenannten juristisch-politischen Gesichtspunkte auch eine Rolle spielen. Ich bin gewiß ein Gegner dauernder Proklamationen, aber ich muß Arlosoroff sagen: nur Verzicht leisten auf Ansprüche ist auchjnicht der Gipfel der staatsmännischen Kunst. Für ein schwaches Volk sind die Rechte, die ihm einmal konzediert wurden, die einzige Waffe. Solange wir unsere Ansprüche noch nicht in Wirklichkeit umgesetzt und uns mit diesen Wirklichkeiten ganz andere Waffen geschmiedet haben, dürfen wir nicht verzichten, und solange müssen wir um jeden Anspruch, jede Begriff sdefinition kämpfen. Nur ein Beispiel: Die schlechte Definition des Colonial