Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 240)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8045-3484194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Grünberg 237 Massakern Schuld hat. . . Das wurde mit Vergnügen von der andern Partei aufgegriffen. Man hat die Juden aus Hebron und Safed gezwungen, künstliche Worte vor der Shaw-Kommission zu bezeugen. Und als Shiels nach Tel Aviv kam, hat man ihn ohne jedes Trauerzeichen auf dem Gesicht empfangen- Von Luke spricht man wie von einem Haman. Aber die zionistischen und jüdischen Massen wissen nicht, daß ein wunderbarer Kontakt zwischen der zionistischen Führung in Jerusalem und Luke bestanden hat. Luke hat Beruhigungstelegramme von Jerusalem an die Diaspora diktiert (Beifall bei den Revisionisten). Und nun das Kapitel der Klagemauer, dieses schwärzeste Kapitel des jüdischen Zusammenbruchs. Die Windmühlendialektiker wissen, daß aus dem Kotel kein Geld zu holen ist, nur Unruhen, und so haben sie ihn ganz dem Islam geschenkt. Man hat das höchste Heiligtum des Volkes verkauft, nicht weil man es tun mußte und nicht im Interesse von praktischen Angelegenheiten, sondern einfach weil die Bürokratie Ruhe haben wollte. Und wenn eine Blutverleumdung in Erez Israel verbreitet wird, so telephoniert der Waad Leumi der Redaktion des Haam: Wir fordern, daß in der morgigen Nummer nichts hierüber veröffentlicht wird; derselbe Waad Leumi, der in den Tagen, als Jerusalem in einem Blutbad zuckte, es für nötig fand, Mitteilungen zu veröffentlichen, daß übertriebene Gerüchte über die Zahl der Toten und Verwundeten verbreitet würden. Das war die erste Aktion des Nationalrats während der Tage des Blutbades in Jerusalem: Stillung des Zorns. Derselbe Waad Leumi wollte auf Rat einer verräterischen Presse den einzigen stolzen Juden in Jerusalem, Rutenberg, in den Sumpf hineinbringen, ihn nach London senden, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Wir, die Schreier, haben geschrien: Nein, der Jischuw will nicht! Und Rutenberg ist nicht gegangen. So ist heute der Jischuw für die Verhandlungen nicht verantwortlich. Der Jischuw trägt keine Schuld an dem Weißbuch und akzeptiert nicht den MacDonald-Brief. Man will uns etwas damit beweisen, daß Stresemann mit Vertretern eines feindlichen Staates saß und verhandelte und nicht den Schmerz um Schlesien, Danzig usw. zum Ausdruck brachte; Deutschland brauchte eine Pause für seinen inneren Wiederaufbau und man verhehlte das Endziel. Das mag so gewesen sein. Ich will aber darauf mit folgender Frage antworten: Wenn man Deutschland seine Selbständigkeit genommen hätte, wie man es in Bezug auf uns tat, und wenn man Deutschland mitten in Berlin durchbohrt hätte, wie uns mitten in Jerusalem, hätte dann Stresemann Unterwerfung und Entsagung im Interesse des inneren Aufbaus gepredigt? Die Furcht, die Zielsetzung zum Ausdruck zu bringen, gleicht der Furcht eines Kaufmanns, der in Stillschweigen bankrottiert. Er versucht, sich der Lage anzupassen. Stille und Ruhe! Und er rät seinen Kreditoren, sich der Lage ebenfalls anzupassen. Es wird weiter gehen, wenn auch im engeren Raum . . . Wir fürchten uns aber nicht, von der Zielsetzung zu sprechen. Im Gegenteil, wir sprechen davon, weil nach dem Rahmen der Idee auch der Inhalt sein muß. Und der muß so sein, wie die Judennot ihn diktiert. Wenn Erez Israel nicht die Heimat des jüdischen Volkes werden kann, so werden die Juden einen Nationalfonds für Argentinien, Biro Bidschan und die Pinsker Sümpfe gründen. Ich, der begeisterte Anhänger Zions und der Chaluziuth, werde dann, Gott behüte, in die Diaspora gehen und schreien müssen: Eure getöteten Söhne und Töchter in Erez Israel sind leider umsonst, Eure blutigen Groschen umsonst hingegeben. Ich will aber nicht jenen Tag erleben, an dem ich dies sagen müßte.