Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 238)
- Language
- German, English, Hebrew
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Schramek, Grünberg 235 j jj nicht den Coup machen darf, den ich als Coup Briand bezeichnen möchte. Es geht nicht an, daß man die gegenwärtige Leitung als „Leitung der Arbeiterpartei" bezeichnet und dadurch versucht, sie unmöglich zu machen, ähnlich, wie man es Briand gegenüber bei der Präsidentenwahl in Frankreich getan hat (Beifall). URI ^WI GRÜNBERG (Rev., Erez Israel — spricht hebräisch): Voll Ehrfurcht betrete ich zum erstenmal diese Kongreßtribüne, wenn auch von hier aus Worte gesagt wurden, die jenseits unseres nationalen Verständnisses stehen. (Jüdisch fortfahrend:) Acht Jahre lebe ich in Erez Israel und sah die Windmühlen-Dialektik unserer Realpolitiker, die uns zu vollem Zusammenbruch geführt hat. Es wundert mich, daß im Galuth keine Erkenntnis dieser Lage in Palästina herrscht. Mit Blut und Tränen ist der Weg unserer Windmühlen-Dialektiker gezeichnet, mit Brüdergräbern und verbrannten jüdischen Dörfern. Und trotzdem haben unsere Führer die Kraft, auf dieser Kongreßtribüne zu stehen, auf diesem Kongreß des Unglücks, und klassisch, ruhig und mit Pathos zu reden. Unsere falschen Propheten sprechen in Vergleichen mit Chelm, ruhig, als ob nichts geschehen wäre, als ob man nicht über Erez Israel, sondern über Honolulu spräche, als ob das Unglück, das uns getroffen, ganz natürlich wäre- Zwei Wochen bin ich vom Lande weg und hier in der Ferne wird mir die ungeheure Größe des Unglücks grausam klar. Diese Kongreßtribüne steht nicht in Basel, der ruhigsten Stadt am Rhein, sondern auf den Gräbern von Hebron und der Asche jüdischer Dörfer. Wir sehen hier aus wie Sommerfrischler, sogar Gesang habe ich in diesem Saale gehört, und gesungen haben jene Chaluzim, die das Unglück getroffen hat. Habt Ihr das Land in Sicherheit zurückgelassen, nicht vogelfrei? Hat nicht erst vor einigen Tagen ein Araber eine Chaluzah an seinen Esel gebunden, sie in die Weinberge von Ramleh geschleppt, vergewaltigt? Wurde nicht erst die Bombe geworfen, die die vom Hilfsfonds wieder errichtete Mühle von Artuw zerstörte? Sind wir denn nicht zu Schaden und zu Spott in die Hände von britischen und arabischen Feinden ausgeliefert? Anstelle eines Kongresses der Rettung und Verbrüderung ist es ein Kongreß der Trennung, der Stiftung von Feindschaft und Haß unter uns. Diejenigen, die eigentlich den größten Anteil an dem geistigen Zusammenbruch, an dem politischen und physischen Unglück im Lande haben, gerade diese stehen heute hier, als ob man nicht sie meinte. Und sie verteidigen die Theorie des Zusammenbruchs als eine Lehre der Erlösung, als die beste Zielsetzung für den chaluzischen Jischuw. Wir sind unglücklich. Im Lande ist es wie in einer Hölle. Ich habe das Gefühl, daß ich zu Ihnen mitten aus dem Feuer und dem Elend spreche, in dem sich unser Erez Israel befindet. Gerade von den Vertretern der Chaluzim sollte das Wehgeschrei des Jischuw ertönen. Zum Schluß hört man nur Windmühlen- Dialektik, eine Stimmung der Trennung und des Hasses. Die Zielsetzung ist Sklavenverbrüderung mit dem Hebroner Blutfeind und giftige Trennung von dem eigenen Bruder, von dem revisionistischen Juden- Beseelt vom Friedenswillen wollten wir den Kongreß nicht in einen Kongreß des Gerichtes verwandeln. Der Ernst der Stunde im Lande hat uns das Gebot diktiert, soweit als möglich die Beschuldigungen zu verschweigen und soweit als möglich einen Weg zu gemeinsamer Rettung und Verbrüderung zu suchen. Freitag aber hat einer von