Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 228 (sequence 231)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476288--8036-3484185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Führung war die Reduzierung des jüdischen nationalen Heimes zu einem „binationalen Staat in Palästina". Wir erfuhren Schmach und Schande, Beschimpfung; und Verhöhnung von der englischen Regierung und von einigen arabischen Führern. Seit der gestrigen Präsidentenrede hatten wir auch noch die entwürdigende Schmach der Selbsterniedrigung durch die Anerkennung des MacDonald- Briefes als Grundlage der Zusammenarbeit. Und doch müssen wir ehrlicherweise auch sagen, daß die englische Regierung in den letzten Jahren etwas von uns gelernt hat. Sie hat die Kunst des: Fifty-fifty von der Jewish Agency gelernt. Fünfzig Prozent für die Araber und fünfzig Prozent gegen die Juden. Was ich von Prof. Brodetskys vier Perioden innerhalb der letzten vier Jahre sagte, daß sie bezeichnet seien durch Mißerfolg; und Niederlage, Schmach und Schande, kann auch noch anders ausgedrückt werden. Wenn es in der Balfour-Deklaration hieße: „Seiner Majestät Regierung ist bestrebt, die Schaffung des jüdischen nationalen Heimes zu hindern und zu hemmen, zu verzögern und unmöglich zu machen", dann wäre die Deklaration wirklich schon reichlich erfüllt. Als ob jede Art von Hemmungen und gesetzlichen Hindernissen nicht genügte, hat sich die Regierung noch eine neue Ausdrucksweise gegen uns zurechtgelegt. Das Wort „landlos" wurde in einer Weise gebraucht — und der Gebrauch erlangte Gesetzeskraft — wie niemals vorher in der juristischen oder politischen Geschichte. In dem von unserer Führung in unverantwortlicher und widerrechtlicher Weise als Basis der Zusammenarbeit angenommenen MacDonald-Brief wird unterstrichen, daß wir die Verantwortung für eine Verständigung zwischen Juden und Arabern haben. Die Mandatarregierung ist verantwortlich für eine Verständigung zwischen den Juden und Arabern, welche ihre palästinensischen und manchmal sogar auch ihre Londoner Beamten nach besten Kräften unmöglich zu machen sich bemühten, während wir bereit, ja mit höchstem Eifer begierig waren> diese Verständigung herbeizuführen. Es gäbe keine Araberfrage in Palästina, wenn sie nicht von der Palästina-Regierung erfunden oder großgezogen worden wäre. Es gab kein arabisches Problem, es braucht auch keines zu geben, genau: so wie es auch keine Klagemauerfrage gegeben hätte, wenn nicht die Regierung; die Gelegenheit der Klagemauer-Sache ergriffen hätte, um die Beziehungen zwischen Arabern und uns zu verhetzen- Auf den MacDonald-Brief hätte nicht die Führung vor drei Monaten, sondern dieser Kongreß antworten sollen. Wenn ein Beweis nötig wäre, daß der MacDonald-Brief keine Grundlage der Zusammenarbeit bietet, so läge er im Geist und auch im Text des seit dem MacDonald-Briefe und seiner Annahme als Grundlage für Zusammenarbeit vorgeschlagenen Landentwicklungsplanes. Wie kann man zu behaupten wagen, daß das Unrecht des perfiden Passfield-Weißbuches gutgemacht wurde, wie unsere Führung behauptet, solange der Mac¬ Donald-Brief dabei bleibt, daß das Weißbuch als das dominierende Dokument weiter besteht? Ist es das dominierende Dokument, dann ist der MacDonald- Brief nicht mehr als ein Kommentar oder bestenfalls eine Interpretation und das: „dominierende Dokument" mit seiner Verleugnung des Rechtes und der jüdischen Rechte bleibt in Geltung. Und wenn der MacDonald-Brief tatsächlich eine Basis für Zusammenarbeit wäre? Wir haben zehn Jahre lang treu und redlich zusammengearbeitet und al& Dank bekamen wir Beleidigung und Ablehnung. Unrecht und sogar Mord- Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.