Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 226)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8031-3484180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arlosoroff Volkes auf der ganzen Welt, um zu beweisen, daß wir eine unzerstörbare Kraft Im Lande sind. Ein schweres politisches Geschick brachte uns in diesen zwei Jahren eine Periode ununterbrochener politischer Kämpfe, einer ständigen fieberhaften politischen Erregung und einer verständlichen, gerechtfertigten Erbitterung. Diese ganzen zwei Jahre waren angefüllt von einer sehr aktivistischen politischen Tätigkeit vder zionistischen Bewegung. Angefangen von der Protestaktion nach den Unruhen bis zum Weißbuch und MacDonald-Brief brachte beinahe jeder Monat eine große politische Aktion. Das Schlachtgetümmel hörte nicht auf. Man muß sagen, daß sich das jüdische Volk in diesen Schlachten als Machtfaktor erwiesen hat. Aber wenn wir auf diese zwei Jahre dauernder Spannung und politischen Kampfes zurückblicken, so müssen wir doch sagen: Der Mangel an politischer Ruhe im Lande hat eine Situation geschaffen, die wir nicht ausnützen konnten, um Positionen zu erobern und im Lande stärker zu werden- Und wenn noch solche zwei Jahre vergehen und wirklich eine Richtung im Zionismus die Oberhand gewinnen sollte, die den politischen Kampf als solchen als Ziel setzt, die im politischen Kampf nicht ein bitteres Schicksal, sondern ein Programm sieht, dann spielen wir vielleicht mit dem letzten historischen Zeitraum, der dem Zionismus für seine Verwirklichung gegeben ist (Beifall). Wie erreichen wir nun diese beiden politischen Grundlagen, die politische Bundesgenossenschaft und die politische Ruhe? Auch darüber hat sich die Opposition ganz gründlich ausgeschwiegen. Zwar hat Herr Jabotinsky gesagt, er und die Revisionisten seien immer für eine Kooperation mit der Mandatarmacht gewesen, aber die gesamte revisionistische Partei hat Herrn Ussischkin frenetisch Beifall geklatscht, als er das staatsmännische Beispiel von David und Goliath vorbrachte. Wie soll eine solche Kooperation aussehen? Will man vielleicht eine Kooperation mit der Mandatarmacht in der Art des Verhältnisses zwischen David und Goliath, wo David immer mit der Schleuder am Gürtel bereitsteht, damit der große Goliath sich nur ja fürchte? Herr Jabotinsky hat sehr lange über den MacDonald-Brief gesprochen, er hat aber nicht ein Wort davon erwähnt, wem er eigentlich dafür dankbar sein sollte, daß er den MacDonald-Brief überhaupt kritisieren konnte, nämlich der Weizmann-Exekutive. Die Revisionisten, die bekanntlich die Kooperation mit England immer wollen, waren nämlich unbedingt gegen die Verhandlungen überhaupt und haben einen monatelangen Kampf geführt, um die Beteiligung des Jischuw an diesen Verhandlungen, die sie vielleicht noch erfolgreicher gemacht hätte, zu verhindern. Welche verantwortungslose Demagogie war es (Beifall), als man in den schweren Wochen, als die Verhandlungen in London geführt wurden, in der ganzen Welt eine Aktion gegen Weizmann und die Exekutive organisierte! In einem normalen Staate — und auch im Judenstaate unterwegs — muß es als Bürgerkrieg angesehen werden, wenn in einem Augenblick so schwerer außenpolitischer Verhandlungen der britischen Regierung mitgeteilt wird, daß die Union der Zionisten-Revisionisten die Legitimation der Zionistischen Exekutive für diese Verhandlungen nicht anerkennt (Lebhafter Beifall, Pfuirufe der Revisionisten). Der eine Weg, um diese politische Hilfe zu erreichen, ist ein Arbeitsabkommen mit der Mandatarmacht. Ein solches Arbeitsabkommen hätten wir uns als das einzige große Ziel in unseren Verhandlungen in London setzen müssen. Ich habe es damals vom ersten Tage an bedauert, als die Verhandlungen in ihrem ersten Abschnitt — als die Kabinettskommission noch frisch und schlagkräftig