Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 222 (sequence 225)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476288--8030-3484179
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

222 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte die ersten fünf Engländer uns zu Freunden zu machen, wiederzugewinnen." Nun ist es nicht so. Wir haben noch Freunde genug. Aber die Entwicklung der Dinge ist so, daß es noch kritischer werden kann. Ich denke da z. B. an die Entwicklung der A-Mandate. Sie wissen, daß der Irak gerade in diesen Tagen in den Völkerbund aufgenommen worden ist und daß Frankreich in Syrien einen ähnlichen Weg gehen will. Und es wird dann nur noch ein A-Mandat geben, Palästina, das in der Luft hängen geblieben ist. Das kann noch einige Jahre dauern, aber es wird kommen. Und wenn man daran gehen wird, auch den Status des Palästinamandats, des isoliert gebliebenen A-Mandats, neu zu definieren, und wir in unserer Einsamkeit verbleiben, dann kann sich unsere Politik in einer gefährlichen Situation befinden. Man darf nicht glauben, wie Herr Jabotinsky es zu tun scheint, daß im Parallelogramm der politischen Kräfte in Palästina sich nur die englische und die jüdische Kraft betätigt. Wissen Sie nicht, was in den letzten zwölf Jahren vor sich gegangen ist? Daß die englische, die arabische Situation, die indische, die ägyptische Situation, ja die Situation der ganzen Welt eine ganz andere ist als vor zwölf Jahren? Schlafen Sie, meine Herren? Wissen Sie nicht, daß die englische Politik schon längst gezwungen ist, ihre Konsequenzen aus neuen realen Tatsachen zu ziehen? Was soll da die Berufung auf Verhältnisse, die vor zwölf Jahren bestanden haben und heute nicht mehr bestehen, auf Formeln, die 1916 oder 1918 geprägt worden sind? Und wenn es nach Herrn Jabotinsky richtig war, daß Herzl 1897 und Nordau 1916 aus der realpolitischen Situation Palästinas Konsequenzen ziehen und ihre Formeln ihnen anpassen mußten, warum gilt dasselbe nicht auch heute? Warum ist es nicht ein politisches Verbrechen, wenn man zu diesem Kongreß kommt, um ihm eine Formel aufzuzwingen, welche uns nur noch weiter in unsere politische Isolation hineinpreßt, weil sie von der englischen Politik wie der arabischen Politik als eine Formel der politischen Aggression aufgefaßt werden muß? Die zweite Grundlage unserer Politik, um weiter kommen zu können, ist eine Periode relativer politischer Stabilität, wie wir sie mit großer Mühe durch die Politik Weizmanns und Sir Herbert Samuels nach den schweren Zusammenstößen von 1921 erreicht haben, und die vom Jahre 1922 bis zur Klagemauerprovokation zu großen Fortschritten der jüdischen Machtpositionen im Lande und in unserer Arbeit geführt hat (Zwischenruf STRICKER: Wer hat bei der Klagemauer provoziert?) Herr Stricker, ich glaube, darüber hat Ben Gurion gestern bereits genug gesagt. Ich verstehe gar nicht, wie man eine solche elementare Tatsache nicht begreifen kann. In der gegenwärtigen Ubergangssituation, in der wir uns befinden, ist es klar, daß es das politische Interesse der arabischen Extremisten ist, Unruhen zu haben, also auch Unruhen zu stiften. Denn jede Unruhe in Palästina, gleichviel, wieviel Tote und Verwundete auf arabischer Seite, dient dem Interesse der arabischen Extremisten, weil sie das Palästina-Problem als politischen Konflikt wieder aufrollt und weil sie die konstruktive Arbeit der Juden unterbricht (Zwischenruf STRICKER: Dann ist es am besten, Sie lassen alle Juden aus Palästina auswandern.) Ebenso klar ist es, daß wir Juden, um weiterzukommen, an einer Periode politischer Ruhe in Palästina interessiert sind. Der beste Beweis hierfür, und ein furchtbarer Beweis, sind die letzten zwei Jahre. Im August 1929 kamen die Unruhen, und der erste Impuls der jüdischen Welt war eine große konstruktive Antwort des jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.