Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 221 Dinge im Lande vor sich gegangen, vollbracht von unbekannten Soldaten der zionistischen Kolonisation, kleine Dinge, die doch voll sind von großem, wagendem und schaffendem Geist, für den, der wirklich Palästina bauen will. Man hat in wenigen Jahren aus einer schlechten, einheimischen Varietät eine Banane geschaffen, die auf den "Weltmarkt hinausgeht, man hat mit der Grape-Fruit das Pflanzungsproblem auf schweren Böden angepackt, eine für Palästina außerordentlich wichtige Frage, man hat „Jachin" geschaffen, eine Kooperative der Arbeiterbewegung für die Anlage von Orangenpflanzungen für die Mittelstandssiedlung, die „Tenuwah" hat für die Produkte unserer Siedlungen, Gemüse, Milch, Butter, Eier, Obst, einen Markt erschlossen. Und ich sage, daß alle diese Dinge, die stillen Heldentaten der unbekannten Soldaten der zionistischen Kolonisation in diesen Jahren, für die Erreichung des zionistischen Endzieles von weit größerer Bedeutung sind als alles, was in der „radikalen" Presse geschrieben und in „radikalen" Versammlungen gesagt worden ist. Aber, so sagt man, zur Weiterführung der Arbeit gehören politische Bedingungen. Gewiß, man braucht politische Bedingungen, um unsere Weiterarbeit zu erleichtern. Zwar werden wir unter allen Bedingungen, unter allen Umständen weiterarbeiten. Aber diese Arbeit kann erleichtert oder erschwert werden- Aber es genügt hier nicht, mit abstrakten Formeln zu operieren. Für unsere Weiterarbeit sind zunächst zwei Voraussetzungen notwendig: Politische Bundesgenossenschaft und politische Ruhe. Warum hat niemand in dieser Debatte den Mut gehabt, den Kongreß daran zu erinnern, daß der Zionismus in den letzten Jahren sich in einem Prozeß fortschreitender politischer Isolierung, einer gar nicht „splendid" isolation befindet. Vor zehn Jahren ist es uns — zum Teil durch unsere eigene Selbstberauschung an Worten — zum ersten Male in der Geschichte des Orients gelungen, Christen und Moslems zu einer politischen Einheit zusammenzuschweißen. Diesem Kunststück haben wir neuerdings noch eines hinzugefügt: Wir haben große Teile der britischen Öffentlichkeit und der palästinensischen Beamtenschaft der arabischen Bewegung in die Arme getrieben. Es hat sich bei uns eine Atmosphäre gebildet, die nur jener traurig berühmten Episode im Deutschland der Kriegsnot vergleichbar ist, in der man die Formel geprägt hat: „Hier werden Kriegserklärungen angenommen!" Der Erfolg dieser bramarbasierenden Stimmung in Deutschland empfiehlt die Nachahmung nicht zu sehr. Die seltsame Argumentation dieser Art, die bei uns in manchen Kreisen üblich ist — Herr Ussischkin hat ihr in seiner Rede zu der allgemein-zionistischen Konferenz in Tel Aviv klassischen Ausdruck gegeben — lautet ungefähr so: „Alle Welt haßt uns. Die Araber — entweder sie existieren gar nicht oder sie hassen uns. Die britische Beamtenschaft ist antisemitisch und haßt uns. Das Colonial Office haßt uns. Die Labour Party und die Labour-Regierung haßt uns. Und die Folge daraus ist: Seht, wie stark wir sind, seht, was für eine agressive Politik wir führen können, wie wir durch unseren Druck jedes politische Ziel erreichen können (Zwischenruf GROSS¬ MANN: Was haben Sie erreicht?) Diese politische Isolierung, in die wir hineingetrieben sind, zu brechen, ist unsere erste Aufgabe. Wenn heute jemand zu mir käme und den mathematischen Beweis erbrächte, daß alle Engländer, die ganze Administration gegen uns eingestellt sind, so würde ich sagen: „Was folgt daraus? Da müssen wir eine Schar von Menschen unter uns finden, welche in die englische Welt hinausgeht, um