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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 220

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 220 (sequence 223)
Language
German, English, Hebrew
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220 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte der zentralen Aufgaben im jüdischen Leben erfüllen können, sondern wir gehen einer Zukunft der kulturellen und sozialen Verflachung entgegen. Ich stehe noch immer auf dem vielleicht veralteten Standpunkt, daß über das Ziel des Zionismus — von kleinen Gruppen abgesehen — in der zionistischen Bewegung gar keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, daß jeder Zionist weiß, daß, wenn es uns nicht gelingt, in Palästina Bedingungen zu schaffen, unter denen das jüdische Volk sich selbst bestimmen kann, es keinen Zionismus gibt- Mit dieser Freiheit und Möglichkeit der Selbstbestimmung steht und fällt der Zionismus. Jeder von uns weiß, daß diese Frage abhängt von unserem sozialen, ökonomischen und auch numerischen Gewicht. Schon heute unter diesen schweren Bedingungen hat der Jischuw mit seinen 170.000 Menschen ein viel größeres politisches Gewicht, als es seiner rein zahlenmäßigen Stärke allein entspricht. Wenn man aber hier das Endziel in eine Formel pressen will, wenn man dem Kongreß die Majoritätsformel aufzwingen will, so heißt das, dem Zionismus einen schlechten Dienst erweisen. Ich will ganz absehen von dem ausgesprochenen Drohungscharakter einer solchen Formulierung. Wenn man eine Majoritätsformel ausdrücklich proklamiert, so proklamiert man damit das Interesse der Bewegung, irgend jemand in eine Minoritätsstellung zu drängen. Aber es fragt sich, ob überhaupt die Definition des Ziels eine Methode ist, die sich mit den Erfordernissen politischer Weisheit einer kämpfenden Bewegung in Übereinstimmung bringen läßt. Wenn z. B. vor dreißig Jahren eine Konferenz polnischer Nationalisten sich in offener Konferenz, in Anwesenheit der deutschen, russischen und österreichischen Presse darauf versteift hätte, das Endziel des polnischen Nationalismus zu definieren, die polnische Nationalbewegung hätte vielleicht trotzdem ihr Ziel erreicht, aber sie wäre höchstwahrscheinlich in ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Das ist einfache Einsicht realer Politik, genau wie die tschechischen Nationalisten bis zum Oktober 1918 auf Grundlage eines österreichisch-ungarischen Programms arbeiteten und erst im letzten Monat vor der Revolution aus der neuen Situation die Konsequenzen zogen. Ich sage nicht, daß unser Programm seinem Inhalt nach mit dem der polnischen oder tschechischen Nationalisten zu vergleichen ist, aber ich sage, daß, was die politische Methode anbetrifft, aus dieser Anpassung der Zielformel an die konkreten Bedingungen das Gebot politischer Logik spricht. So komme ich nach allem, was ich gehört habe, wieder auf den Ausgangspunkt zurück, auf welchem wir auf früheren Kongressen gestanden haben. Jeder, der als Ausgangspunkt der Betrachtung der heutigen Situation etwas anderes wählt, als was Dr. Weizmann in seiner Rede erwähnt hat, daß nämlich trotz den politischen Bedingungen, trotz aller Gegnerschaft und allen Schwierigkeiten uns in den Jahren 1920 bis 1930 keine Macht der Welt gehindert hätte, ein Vielfaches von Menschen einwandern zu lassen und ein Vielfaches an Boden zu kaufen, wenn unsere Kraft ausgereicht hätte das zu tun — ich behaupte, daß jeder, der einen anderen Ausgangspunkt wählt, lügt und das jüdische Volk irreführt. Ich glaube, wir neigen dazu zu vergessen, daß erst zwei Jahre nach dem ChurchilPschen Weißbuch der große Immigrationsstrom ins Land gekommen ist. Wollen Sie mir erzählen, daß es ein äußerer Faktor gewesen ist, der uns gehindert hat, im Jahre 1927 und 1928 nicht auch 25.000 oder 15.000 Menschen ins Land zu bringen? Und auch in den letzten Jahren sind, abseits von den politischen Sensationen, von dem großen Schlachtgetümmel und Protestkrieg, kleine

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