Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8022-3484171- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte wegung, den er immer vertrat, widersprechen. Weizmann ist derselbe Maximalist wie jeder von uns im Saale (Beijall). Wenn er geirrt hat, so stand er unter dem Einfluß fremder Gedanken. Einen Beweis dafür bildet der Delegiertentag in Jena, zu dem er ging, um von dem Kampf auf Leben und Tod zu sprechen, der uns bevorstand, und wo er zunächst eine Rede hielt, der wir alle zustimmen konnten; dann aber, offenbar unter dem Einfluß von Blumenfeld und Weltsch, hielt er eine andere Rede, die nur wenige billigen konnten. Zum zweiten Mal geschah; es in Berlin, daß der hundertprozentige Zionist ohne innere Veranlassung den Judenstaat, an den er immer denkt, verleugnet hat. Aber mögen Teile unserer Bewegung den Judenstaat, andere die Ideen des Brith Schalom proklamieren, der Führer darf eine Verkleinerung unserer Ziele nicht zulassen (Beifall). Ich gebe zu, Weizmanns Rede war nicht gut. Aber wie er ist, so ist er, und er ist, davon sind wir alle überzeugt, eine so große Persönlichkeit, daß wir nicht zulassen dürfen, daß er beschimpft werde. Ich verstehe, daß eine aufstrebende Partei mit allen möglichen Mitteln kämpft, aber ich halte es für gänzlich verfehlt, wenn eine Partei, die die Jugend an sich ziehen und sie geradezu zu militärischer Disziplin erziehen will, ihr nicht in erster Linie Achtung vor dem Gegner und namentlich vor dem Führer beibringt (Beifall). In dieser Beziehung ist der Kongreß Weizmann eine Rehabilitierung schuldig. Jabotinsky hat von dieser Tribüne aus in einem sehr akademischen Ton gesprochen, ganz abweichend von dem Ton der früheren Jahre- Das Glaubensbekenntnis, das er hier abgelegt hat, ist unseres ebenso wie seines, aber die Methoden und die Mittel, die er darlegt, sind nicht unsere. Sich auf Schekelzahler und "Wähler berufen, ist leicht. Schekelzahler und Wähler sind Zionisten des Zufalls,, die auf der Straße gefunden werden (Beifall). Aber diejenigen, die Tage, Monate und Jahre der zionistischen Arbeit widmen, finden nicht ihre Vertretung in dem Teile, der in diesem Saal rechts sitzt. Die Revisionisten haben allerdings ein Verdienst, daß sie einen Teil der Jugend zu uns zurückgebracht haben, aber sie haben sie nicht erzogen im versöhnlichen Geiste, im Geiste des Respektes vor der Ansicht des Anderen. Aber auch die Linken, deren Arbeit ich hoch schätze, haben unsere Jugend in Beschlag genommen. Doch die soziale Einstellung, die sie haben und die sie ihrer Jugend übermitteln, teilen wir Allgemeinen Zionisten nicht immer. Wir haben ein einziges Forum — den zionistischen Kongreß. Sie aber haben zwei Tribünen, eine hier, die andere bei der Zweiten Internationale* Deshalb haben sich in wirtschaftlicher Beziehung Differenzen zwischen uns ergeben. Es ist den Herren von der Linken wohl bekannt, daß die belgische Zionistengruppe immer Hand in Hand mit der Arbeiterschaft gegangen ist, und wenn wir morgen mit dem Gelde, das Jean Fischer hinterlassen hat, eine neue Sache in Palästina machen wollen, so werden wir wieder 14 Arbeiterfamilien ansiedeln. Das ist wenig, aber ein Beitrag zum Aufbau. Aber es ist Zeit — und darin stimme ich Weizmann zu, — daß heute nach der nationalen Vorbereitungsarbeit die bürgerliche Kolonisationswirtschaft anfängt- Und es wird notwendig sein, daß die linken Führer dabei mithelfen. Man hat hier von der politischen Lage gegenüber England gesprochen. Man kann nicht sagen, daß mit dem MacDonald-Brief nichts erreicht wurde. Er hat. zur moralischen Beruhigung beigetragen und neue Möglichkeiten gegeben, den Kampf gegen die Teile des Weißbuches zu führen, die-dem MacDonald-Brief "widersprechen. Er ist ja noch kein taugliches Instrument, denn ein englischer