Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 214)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ringel 21 I ganzen Debatte und der großzionistischen Deklarationen, welche von so vielen Seiten hier abgegeben wurden, nicht nötig sein, eine neuerliche dogmatische Formulierung der Endziele vorzunehmen. Das Kräfteverhältnis in dieser Frage und die Stimmung der zionistischen Volksmassen ist zu klar, als daß von irgendeiner Seite behauptet werden könnte, daß die Gruppe der Verkleinerer des Zionismus über großen Einfluß verfügt. Wir müssen uns gemäß den Worten des französischen Patrioten in dieser Frage an das Prinzip halten: Immer daran denken und nie davon sprechen. Ich glaube, die nichtjüdische Welt wird sich davon überzeugen lassen, wenn wir ein vollständig ausgebautes, auch numerisch an keine Schranken gebundenes National Home verlangen, daß dies kein jüdischer Imperialismus ist, sondern daß wir durch die mit unheimlicher Kraft wirkende vis a tergo — durch die Peitsche der Judennot — gezwungen sind, auf diesem kleinen Platz, den Palästina in der Welt darstellt, Raum für diesen Teil der 17 Millionen zu finden, für die die Verhältnisse schon seit langem unhaltbar sind. Das ist für uns eine Lebensfrage. Es genügt aber nicht, eine Mehrheit zu wollen, man muß auch die Kräfte und Mittel finden, eine Mehrheit zu schaffen. Die Diskussion über das Endziel kann nur die Wege aufweisen und sie vorzeichnen, aber wir müssen Steine haben, um sie zu pflastern, wir müssen Ziegel haben, um die Häuser zu beiden Seiten bauen zu können. Nach den Berechnungen Ruppins auf dem Karlsbader Kongreß muß man die Zahl von 30-000 Einwanderern jährlich als Minimum annehmen, wenn wir in absehbarer Zeit wirklich zu dem numerisch starken Faktor in Palästina werden sollen, wie wir es wünschen. Viele von uns betrachteten damals diese Zahl als sehr winzig. Nun stellt sich heraus, daß dieses Minimum gar nicht erreicht wurde, daß wir in den letzten zehn Jahren im Jahresdurchschnitt statt 30.000 nur 9000 Einwanderer ins Land hereinbrachten. Es müssen also Mittel und Wege auf diesem Kongreß gefunden werden, um eine steigende Kolonisation in Fluß zu bringen, um eine große und großzügig aufgefaßte finanzielle Aktion mit aller Kraft und so schnell wie möglich einzuleiten. Denn die Zeit arbeitet gegen uns. Es muß ein Appell der Hoffnung und ein Aufruf zu neuen Opfern an das jüdische Volk von diesem Kongreß aus ergehen. Und nun eine Bemerkung Herrn Blumenfeld gegenüber. Ich spreche hier im Namen der Allgemeinen Zionisten, die es als eine Notwendigkeit betrachten, endlich auf dem Kongreß ein starkes Zentrum zu bilden, welches den Extremismen von links und auch von rechts entgegentreten könnte und eine starke Politik einzuleiten in der Lage wäre und die Basis für eine diesem Ziel zustrebende Leitung bildet. Wir wollen keine Mischmasch-Politik, wir versuchen die Rückkehr zur wahren Herzl-Politik. Wir hoffen, daß mit diesem Kongreß die Epoche einer neuen und zielbewußten Politik nach außen und nach innen beginnen wird. Dafür wollen wir Allgemeinen Zionisten uns mit aller Kraft einsetzen (Lebhafter Beifall). Schluß der Sitzung 13 Uhr 15 Min- 14*