Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 212)
- Language
- German, English, Hebrew
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Blumenfeld, Ringel 209 nion erworben, ein Dominion in den Herzen von 17 Millionen Juden der ganzen Welt." Aber seit diesem Jahre 1920 begann in Palästina eine Reihe von Verwaltungsmaßnahmen, welche immer stärker sich zu dem Eindruck verdichteten, daß ein Großteil der Palästina-Administration nicht gewillt ist, im Sinne des Mandates das National Home zu fordern, sondern umgekehrt, dessen Entwicklungsmöglichkeiten einzuengen, ja vielleicht die Entstehung desselben ganz zu vereiteln- Wir glaubten jedoch noch lange, die Quelle all dieser Sabotage-Akte liege auf dem ölberg, dagegen gebe es in London eine Appellationsmöglichkeit von der schlecht informierten oder eigentlich schlecht gesinnten Palästina-Verwaltung an die gut gesinnte und gerechte Londoner Regierung. Aber jetzt haben wir auch dort eine Enttäuschung nach der anderen erlebt. Man hat auch in London den grandiosen Gedanken der Befreiung eines großen und unglücklichen Volkes auf das Prokrustesbett von Paragraphen und Verwaltungsschikanen gespannt und ihn aufs grausamste verstümmelt. Und da müssen wir England an die Grundprämissen des Herzl-Zionismus erinnern: Es lebt ein jüdisches Volk von 17 Millionen, sein Hauptreservoir zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee ist zum Überströmen voll und steht unter einem von Tag zu Tag starker werdenden Druck, während gleichzeitig die Emigrationsmöglichkeiten gleich Null sind. Und da bleibt nur ein Weg der Rettung, Erez Israel, wo wir uns als Volk ausleben wollen. Hat man nun in dieser Lage das Recht, sich in Berechnungen zu spezialisieren, wie es die englische Verwaltung praktiziert, wieviele Juden noch einwandern dürfen, und bei Regelung der Einwanderung die Apothekerwage zu verwenden? Man verlangt von uns, nicht mit Unrecht, daß wir der Psychologie der Engländer Rechnung tragen. Wir haben sicherlich manchen Fehler in der Beurteilung derselben gemacht. Aber das 17-Millionenvolk der Juden, in einer furchtbaren Lage wie die unsrige, hat doch das Recht darauf, daß auch seine Psychologie richtig beurteilt und ihr Rechnung getragen werde. Ich habe die traurige Genugtuung, darauf hinweisen zu können, daß ich bereits auf dem Karlsbader Kongreß sagte, man müsse sich rechtzeitig gegen die Verkürzung unserer Rechte wehren. Das englische Staats- und Verwaltungsrecht entwickelte sich hauptsächlich auf dem Wege von Präzedenzfällen. Hätte man versucht, sich schon den neuartigen Formulierungen des ChurchilFschen Weißbuches entgegenzustellen, hätten wir dieses Dokument damals als eine ebensolche Gefahr betrachtet, wie heute das Weißbuch Passfields, wäre uns manches erspart geblieben. Wenn die Stimmung des Durchschnittsengländers, wie man hier sagte, keine uns günstige ist und nicht uns für den Schwächeren und in seinen Rechten Verkürzten hält — nicht einmal in den Augusttagen 1929! — so geht dies zum Teil darauf zurück, daß die Leitung die langen Jahre hindurch kein Wort scharfer Kritik gegen die Mandatarmacht ausgesprochen hat, während die Araber nicht aufhörten, scharf über angeblich an ihnen verübtes Unrecht zu klagen. Als in den Straßen von Hebron von verhetzten Massen mit unserem Blute das arabische „Rotbuch" geschrieben wurde, mußte man dem einfachen Engländer erst erklären, daß wir es sind, denen furchtbares Unrecht geschieht- Als nach diesem Rotbuch das Passfield'sche Weißbuch erschien, als durch Regierungserklärungen und Verfügungen direkt feindselige Akte an uns verübt wurden, ist es da ein Wunder, daß unser Vertrauen zu England aufs tiefste erschüttert ist? Durch den MacDonald-Brief allein konnte das Vertrauen nicht wiederhergestellt werden. T4