Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
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208 7. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte gende Kraft im jüdischen Volke zu werden. Auch ich glaube an die Macht, aber an eine große Macht des liebenden, umfassenden nationalen Empfindens, das aus sich, aus seiner Wärme, aus seiner Größe neue Leistungen erzielt. Und ich glaube, daß der Weg, den Sie (zu den Revisionisten) gehen und gehen müssen, Untergang und Tod für die Bewegung bedeutet. Es wird hier ein neuer Pseudomessianismus geschaffen. Wir sind doch keine Sabbatai Zwi-Bewegung. Wir sind die ernste politische Bewegung des Judentums unserer Tage. Wir werden alles tun, um diesen Weg zu beschreiten. Wir werden keiner Mischmasch-Exekutive unsere Zustimmung geben. Entweder soll klar Dr. Weizmanns Programm akzeptiert werden (Zwischenrufe der Revisionisten) oder es soll etwas anderes kommen. Gegen jede andere Sache wer-. den wir kämpfen, um die Kraft aufrechtzuerhalten, die den Zionismus auf seinem Weg weiterbringt, und wir werden gegen die anderen Kräfte kämpfen, die an seiner Zerstörung arbeiten. Ich schließe mit dem zionistischen Bekenntnis, das wir in wahrer Freiheit das neue Leten aufrichten, in Verbundenheit mit unserem ganzen Volke, dem Volke der Zionisten, dem Volke des arbeitenden Judentums, dem Volke aller Elemente, denen es um die Erneuerung ernst ist. Und Sie werden erleben, daß hier ein Kampf geführt wird von Leuten, die nicht Redensarten machen, sondern die zugleich alles tun, um unmittelbar in unseren Tagen die Verwirklichung herbeizuführen (Lang andauernder und sich immer erneuernder Beifall, Widerspruch und Zwischenrufe). VIZEPRÄS. ELIESER KAPLAN übernimmt den Vorsitz. Dr. MICHAEL RINGEL (Allg., Ostgalizien — spricht deutsch): Der XVIL Kongreß ist ein außenpolitischer Kongreß kat exochen, eine Tagung der Abrechnung mit der bisherigen Politik, der Gegenüberstellung der Hoffnungen einerseits und der Enttäuschungen der letzten Jahre andererseits. Er konzentriert sich naturgemäß in den zwei Fragen: Verhältnis zur Mandatarmacht und Zielsetzung. Zwischen den bisherigen Nachkriegskongressen und dem XVIL Kongreß ist durch die Ereignisse des letzten Bienniums eine weithin sichtbare Zäsur entstanden. Dies ist schon ersichtlich, wenn wir den Bericht, den ich als Vorsitzender der Politischen Kommission des XVI. Kongresses zu erstatten die Ehre hatte, mit den Eröffnungsreden der beiden Präsidenten Sokolow und Weizmann auf diesem Kongresse vergleichen. Während wir auf dem XVI. Kongreß unsere Beschwerden gegen einzelne Verwaltungsbeamte der Palästina-Administration in beinahe schüchterner Weise vorbringen zu dürfen glaubten, zittert in allen, auch den offiziellen Enuntiationen auf diesem Kongreß durchgehend ein Ton der Enttäuschung nach, der bitteren Enttäuschung gegen die Londoner Regierung nicht minder wie gegen die Verwaltung am ölberg. Der XVIL Kongreß ist der erste Kongreß, auf welchem wir durch das Vorgehen des Colonial Office gezwungen sind, laut und vernehmlich zu sagen, daß unser Vertrauen zur englischen Regierung aufs tiefste erschüttert ist. In den Jahren 1917 bis 1920, zwischen der Balfour-Deklaration und dem Beschlüsse von San Remo, war die Stimmung von Vertrauen, ja von Liebe zu England bei dem jüdischen Volke derart vorherrschend, daß man an das Wort Herzls erinnert wurde, das er seinerzeit Landsdowne gegenüber gebrauchte: „England hat ohne Schwertstreich ein neues Domi-